Angeschissen in Vinales

Aus Asien sind wir gewöhnt, dass der Ort wo man ein Taxi oder Bus bucht zwar absolut chaotisch aussehen kann (sei es jemand auf der Straße, im Tante Emmerladen oder kleinen Büro) aber man konnte sich immer zu 100% drauf verlassen. Die Asiaten waren immer zu 100% pünktlich.

Anders die Kubaner. Es ist kurz vor 12 und eigentlich sollte unser Taxi schon längst da sein. Wir sitzen mit Baby und Gepäck vor unserer Casa und warten. Und warten. Wir glauben schon nicht mehr dran, dass uns hier noch jemand abholt da kommt plötzlich jemand an „Nach Vinales?“ zwar mit über 40 Minuten Verspätung aber es hat geklappt. Wenn man wie wir kein eigenes Auto hat gibt es verschiedene Möglichkeiten in Kuba zu reisen. Entweder mit dem Bus der Einheimischen, mit Express-Bussesn, mit Sammeltaxis oder halt mit eigenem Taxi. Wir haben uns für einen „Transfer“ entschieden den wir in einem großen Hotel gebucht haben. Die Dame meinte je nachdem wie viele Leute buchen ist es entweder ein Auto, ein Van oder kleiner Bus. Aber auf jeden Fall ein modernes und komfortables Auto. Pro Person kostet es 25€ und Henri ist frei wenn er auf dem Schoß sitzt. Die Fahrt soll ca 2,5 Stunden dauern. Auf dem Schoß? Wenn das Ding nachher vollgestopft ist haben wir da vielleicht gar keine Lust zu – ganz abgesehen von der Sicherheit.

Also buchen wir für Henri einen eigenen Platz. Das kann die Dame zwar gar nicht glauben – aber ihr ist es nur recht. Hinterher haben wir überlegt ob wir nicht einfach auf Lücke hätten setzen sollen. Vermutlich ist der Bulli eh halb leer und wir hätten Henri einfach so auf den Sitz setzen können. Als wir jetzt zum Auto kommen sind wir heilfroh den extra Sitz gebucht zu habe. Es ist ein neuer Peugot und sehr komfortabel aber auch bis auf jeden Sitzplatz belegt. Der Fahrer hat Mühe unser ganzes Gepäck noch irgendwie unter zu bekommen. Dadurch das Henri seinen eigenen Platz hat ist die Fahrt richtig schön und da Henri fast die ganze Zeit schläft auch richtig erholsam.

Als wir in Vinales ankommen ist niemand bei unser Casa. Der Fahrer ist so nett und ruft an. Der Besitzer ist zur Zeit nicht da, aber sein Vater wohnt gegenüber und kommt vorbei. Es stellt sich raus – der Vater hat gar keinen Schlüssel aber eine eigene Casa gegenüber in der wir das Gepäck abstellen können. Später können wir dann hier herüber. Also wir alles rüber geschleppt haben öffnet er eins seiner Zimmer und meint hier können wir rein. Und ob alles ok sei. Aha, der will gar nicht, dass wir nur das Gepäck hier aufbewahren – wir sollen hier schlafen.

Der Vater

Der Vater

Ich finds eigentlich ganz ok. Simone findet es doof. Sieht hat das Gefühl die andere Casa wäre besser gewesen. Er meinte heute Nacht hier und morgen dann umziehen. Nagut, dann halt so.

Später als wir uns eingerichtet haben kommt einer seiner Söhne vorbei der Englisch spricht und fragt ob wir zwei oder drei Nächte hier bleiben wollen. Da Simone auch keine Lust hat morgen wieder umzuziehen sagen wir ok, wir bleiben zwei Nächte hier. Hat der Alte uns in seine Casa gelockt. Aber dafür macht er einen den besten Mojitos die ich hier getrunken haben – und das waren etliche.

Wir sind am überlegen ob wir morgen früh wandern oder reiten. Da wir mit Henri lieber eine Kutsche wollen fragen wir ob es auch möglich ist statt zwei Pferden eins mit Kutsche zu bekommen. „Wann wollt ihr denn?“ fragt und der englisch sprechende Sohn. „Das wissen wir noch nicht genau. Entweder morgens oder nachmittags“ „Alles klar, ich rufe mal einen Freund an, dann könnt ihr morgen früh beim Frühstück sagen wie ihr es machen wollt.“

Morgens nach dem Frühstück kommt der Sohn auf uns zu „Wenn ihr fertig seid, vorne steht mein Freund mit dem ihr wegen der Kutsche sprechen könnt“ Wir gehen hin „Hola! Seid ihr fertig? Dann kann es ja losgehen. Die Kutsche steht da vorne“ Aha, so viel dazu, dass wir erstmal überlegen können wann wir fahren wollen. Der Kutscher ist ganz verwundert als wir sagen, dass wir eigentlich erst heute Nachmittag fahren wollen. Der Sohn hat es ihm wohl anders wiedergegeben. Aber da er die Kutsche nun schon mal parat hat – was soll es. Ändern wir halt unsere Pläne. Ab gehts zur Kutsche.

Unsere Kutsche

Unsere Kutsche

Naja, Kutsche?! Das ist mehr ein Blechkübel mit ein paar Rädern dran und auf jedem Rand ein Brett zum sitzen. Keine Ahnung was der Kerl normalerweise darin transportiert aber auf jeden Fall keine Touristen. Schon auf der Teerstraße holpert das Ding. Als wir dann ins Gelände einbiegen ist es mit der Bequemlichkeit ganz vorbei. Simone steht bei jeder größeren Spurrille die blanke Panik ins Gesicht weil sie versucht sich irgendwie auf diesem holprigen Kübel zu halten. Mir und Henri macht es Spaß. Nach einiger Zeit machen wir einen Zwischenstopp auf einer kleine Tabakplantage und bekommen erklärt und gezeigt wie die Kubaner ihre Zigarren anbauen und herstellen. Eigentlich ein relativ simpler Prozess. Das Pferd hatte ne gute halbe Stunde Zeit sich zu erholen und alles zu machen was es so will. Wir steigen wieder auf. Keine fünf Minuten sind wir unterwegs da geschieht es. Alles geht Blitzschnell. Das Pferd gibt kurz einen laut von sich, hebt den Schweif und Pfurzt als ob es kein Morgen gibt. Leider kommt nicht nur Luft click here raus. Es hängt zwar ein Korb direkt unter dem Hintern des Pferdes aber scheinbar war zu viel Druck im Bauch denn all das was eigentlich im Korb hätte landen sollen spritzte unter Druck direkt in unseren Mistkübel. Da Simone vorne saß bekam sie die volle Ladung ab. Der Kutscher guckte einmal ganz kurz, zuckte mit den Schultern und es ging weiter. Es herrschte eine unheimliche Stille, aber man konnte Simones Zorn in der Luft ergreifen. Das Pferd scheisst uns einfach an und alle tuen so als ob nichts wäre damit Simone nicht explodiert. Die ganze Situation war aber einfach zu komisch und so konnte ich nach zwei, drei Minuten mein Lachen nicht mehr verkneifen. Oh man, ich hab Simone selten so sauer erlebt, obwohl sie total ruhig dabei blieb. Aber als ich Anfing zu lachen platzte es aus ihr heraus. „Toll, jetzt lachst Du auch noch. Du kannst dich ja gern mal hier vorne von einem Pferd anscheissen lassen. Dann lachst Du bestimmt auch nicht. Und gerade heute habe ich mir eine frische Hose angezogen. Ganz toll.“

Das Pferd trabte einfach weiter aber wir zuckten jetzt jedesmal zusammen wenn es seinen Schweif hob. Zum Glück kam nichts mehr nach und am Ende der Kutschfahrt hatte Simone den Schock auch verdaut und wir gingen zurück zu unser Casa.

Henri gefällt es überall

Henri gefällt es überall

Zurück bei der Casa kam der Sohn auf uns zu „Ok, heute könnt ihr nach drüben umziehen“ Eigentlich war es so abgemacht, dass wir jetzt hier bleiben und nun sollen wir doch wechseln? Es stellte sich raus, dass der alte scheinbar eine spontane neue Reservierung bekommen hatte und wir mussten daher weichen. Na klasse, also wieder Koffer packen und rüber schleppen. Dabei hatten wir uns jetzt hier gerade eingerichtet. Ich wollte eigentlich nichts wechseln aber so bekam Simone wenigstens noch ihre andere Unterkunft. Leider muss man sagen, denn diese war nicht besser sondern schlechter. Ein Raum ohne Fenster. Um das zu kaschieren haben sie über eine Wand einen riesigen Vorhang gehängt. Sie hätten jedoch keinen transparenten nehmen sollen denn so sieht man direkt, dass sich hinter der Gardine kein Fenster befindet. Hinzu kam noch, dass in dem Raum zig Moskitos lebten die wir erstmal alle beseitigen mussten. Zum Glück haben wir unsere eigene Netze dabei, so dass man wenigstens in Ruhe schlafen kann.

Das Abendessen wollen wir auf einer kleinen Farm einnehmen welche oben auf dem Hügel liegt und einen schönen Blick über das Tal bietet. Es heißt das Essen soll alles auf der Bio-Farm angebaut worden, reichhaltig und gut sein. Es wird empfohlen zu reservieren. Wir gehen einfach auf gut Glück die knapp zwei Kilometer den Hügel rauf da wir eh noch ein bisschen spazieren wollen in der Hoffnung einen Tisch zu bekommen und während des Essens der Sonne beim Untergehen zuzusehen. Als wir ankommen werden wir – wie eigentlich überall – sehr freundlich begrüßt. Das Restaurant der Finca ist leer und die Kellner sind gerade beim Eindecken. Wir fragen ob es noch einen Tisch gibt „Oh, da muss ich meinen Chef fragen“ Kurzen Moment später: Nein, wir sind leider komplett ausgebucht. Wir gucken kurz auf die Uhr. Es ist gegen halb fünf. „Und wenn wir jetzt gleich essen?!“ „Da muss ich noch mal fragen“ Kurzen Moment später „Ja, das würde gehen.“  „Klasse, was gibt es denn? Haben sie eine Karte und wir suchen was aus oder wie funktioniert das?“ Und da alle guten Dinge drei sind kam natürlich zurück: „Da muss ich noch mal fragen gehen – kein Problem.“

Es gibt keine Karte, sondern einfach ein bisschen was von allem – kostet 10€ pro Person und es soll genug sein, dass wir satt werden. Gesagt getan. Wir suchen uns den besten Tisch aus – ideal platziert um den Sonnenuntergang zu sehen und nach und nach bringt der Kellner Teller mit verschiedenen Speisen. Zuerst gibt es eine Suppe, Brot und Guacamole. Es kommen immer mehr Teller. Und noch mehr. Am Ende bringt er uns 16 verschiedene Teller – alle zum voll mit Essen. Das hätte für unsere gesamte Familie gereicht – keine Chance, dass Simone und ich das auch nur annähernd schaffen. Aber es schmeckt gut ist alles hier frisch gekocht worden.

Nur für uns

Nur für uns

Nach und nach füllt sich das Restaurant und nachdem die Sonne untergenanten ist und wir nicht mehr in uns hinein bekommen haben machten wir uns auf den Rückweg. Morgen geht es nach Cienfuegos.

 

 

 

 

 

 

 

 

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