Das Bild von Henri

Unser erster Landgang

Bei der Buchung unserer Kreuzfahrt waren drei Landausflüge mit dabei. Malaga (Stadtrundfahrt), Teneriffa (Inselrundfahrt) und in Havanna – ebenfalls eine Stadtrundfahrt.

Da ich bisher nicht viele gute Erfahrungen mit geführten Ausflügen gemacht habe bin ich eigentlich kein Fan davon. Aber da sie nun mal dabei sind machen wir den in Malaga

alle mit. War zum Glück nicht viel Zeit im Bus. Die Tour war OK aber nichts was wir nicht genauso gut allein gesehen hätten. Da der Ausflug in Teneriffa von 5 Stunden fast 4,5 im Bus war bin ich mit Henri gleich in der Stadt geblieben und wir haben die Spielplätze abgeklappert während Simone sich die Insel angeguckt hat. Jetzt also Havanna. Auch wenn wir noch einige Tage in Havanna sein werden machen wir den mit da wir so gleich mal einen Überblick haben wo was ist. Unser Ausflug startet und 09:00 Uhr. Da viele das gleiche Paket

gebucht haben wie wir müssen also auch viele um diese Uhrzeit den Ausflug machen was wiederum heißt das alle auch um die gleiche Zeit zum Frühstück müssen.

Entsprechend voll ist es dort wenn 3/4 des Schiffs innerhalb von 15 Minuten beim Buffett eintreffen.

Wir haben geschafft uns draußen noch ein einigermaßen ruhiges Plätzchen zu sichern und sind pünktlich beim Treffpunkt im Theater. Beim Einlaufen habe ich mich noch über die positive

Seiten gefreut, dass die Leute Kreuzfahrtschiffe hier nicht gewohnt sind – jetzt merken wir welchen Vorteil es hat wenn die Menschen und Behörden an Kreuzfahrtschiffe gewöhnt sind.

Die Kubaner sind es nicht gewohnt wenn zeitgleich über 2.000 Menschen in dem kleinen Hafen ins Land wollen. Das von Board gehen dauert EWIG.

Henri macht das warten nichts aus

Henri macht das warten nichts aus

Wir brauchen über 2 Stunden vom Theater über den Einreiseschalter bis wir endlich bei unserem Bus ankommen. Und das mit Henri. Scheinbar ist es für uns allerdings wesentlich nerviger als für ihn, denn da er von vielen Leuten abwechselnd bespaßt wird vergeht für ihn die Zeit x-mal so schnell wie für uns.

Als wir dann irgendwann beim Sicherheitscheck an der Reihe sind

können wir kaum glauben wie die offizielle Uniform der Grenzschützerinnen hier aussieht. Wir dachten bei der ersten Dame erst sie sei die einzige – aber nein.

 

Offizielle Uniform

Offizielle Uniform

Bei geht sowas eher als Kostüm für Polizei-Stripperinnen durch aber hier ist es die offizielle Kleidung des Bundesgrenzschutz. Willkommen in Kuba.

Wenn man bedenkt das dieser Ausflug auch ganz normal zum Kaufen angeboten wird ist dies eigentlich eine Frechheit.

knapp 60€ pro Person für 1 Stunde Busrundfahrt mit 1-2 Stopps. Anschließend gab es noch einen kurzen Spaziergang durch die Altstadt. Man kann sich allerdings vorstellen wie es ist

wenn ein Reiseleiter durch eine Stadt mit 35-40 Leuten läuft und zeitgleich noch hunderte von anderen Menschen dort sind. Er erzählt zwar was aber man versteht kein Wort.

Die Stadtrundfahrt ist gut für einen ersten Einblick – mehr aber auch nicht. Leider wieder einer der nicht so tollen geführten Ausflüge – wenn man so etwas separat bucht könnte es

durchaus sein, dass man sich ärgert. Am Ende seiner Tour möchte der Guide mit der Truppe noch einer Bar auf einen Drink einkehren. Anschließend soll es zum Bus und dann zum Schiff gehen.

Die Bar sieht nett aus aber irgendwie wollen wir lieber noch ein bisschen laufen und wenn mich mein Gefühl nicht täuscht kann das Schiff auch gar nicht so weit weg sein.

Ich gehe ein paar Meter auf den offenen Platz zurück um durch eine Häuserlücke zu gucken – und da steht es auch schon. Vielleicht 300 Meter von unser Stelle entfernt.

Dafür extra noch mal in den Bus ist doch ein Witz. Wir verabschieden uns von der Gruppe und machen uns auf den weg. Ein paar andere haben es mitbekommen und verabschieden sich ebenfalls

was den Guide nicht besonders glücklich stimmt – vermutlich hat er am Ende noch ein bisschen Trinkgeld erwartet.

Nachdem wir kurz auf dem Schiff waren machen wir uns noch mal auf in die Stadt. Nun geht es an den Kontrollen auch schnell da keiner weiter da ist.

Unsere nächste Unterkunft finden wir ziemlich schnell da sie, wie der Reiseführer sagt, am schönsten Platz Havannas liegt. Ist wirklich nur zwei Blocks vom Schiff entfernt – hier können wir morgen dann locker hinlaufen. Anschließend laufen wir noch ein bisschen wahllos durch die Gassen und treffen zufällig ein älteres Pärchen das sich auf dem Schiff schon des öfteren zu uns gesellt hat da die Dame (wir nennen sie die Oma) einfach so entzückt von Henri ist.

Sie haben uns von ihrem Tag in Havanna erzählt, dass sie doch nicht verrückt sind und die teuren Touristenbusse nehmen sondern es auf der gleichen Strecke auch den Bus 102gibt der statt 3 euro nur 25 Cent kostet. Der war zwar voll gepackt und sie konnten den Fahrer nicht verstehen aber am Ende sind sie doch dort angekommen wo sie wollte. In Kuba gibt es zwei

Währungen CUC und CUP. CUP ist die „echte“ Währung und CUC wurde mehr oder weniger für Touristen eingeführt. Der Wechselkurs ist 1:25. Dh. man bezahlt i.d.R. wesentlich mehr als die Einheimischen und die normalen Busse kann man auch nur in der einheimischen Währung bezahlen an die man als Tourist gar nicht so ohne weiteres dran kommt – im Geldautomat gibt es nur die Touristenwährung. Aber die haben dem Busfahrer einfach 1 CUC (1€) gegeben und er hat ihnen ganz korrekt auf die einheimische Währung gewechselt Sie freuten sich riesig darüber wie das geklappt hat. Die beiden sind über 60, sprechen kein Wort spanisch und nur ein paar Brocken Englisch und statt die „einfachen“ Touristenbusse zu nehmen schlingern sie sich irgendwie auf den Undergroundwegen durch Havanna. Respekt. Wir fragen uns ob wir dann so ähnlich mit 60 sind.

Heute ist unser letzter Abend auf dem Schiff und wir wollen Henri noch ins Spielzimmer bringen das er das noch mal richtig nutzen kann – und wir die 1 Stunde ruhe haben zum Packen.

Gott – was haben wir alles mitgenommen. Koffer voll. Rucksack voll. Handgepäck voll und trotzdem noch tausende Teile die irgendwie in Taschen und Tüten verstaut werden müssen.

Wie gesagt waren noch 3-4 andere Kinder auf dem Schiff und die Eltern hatten nochmals wesentlich mehr mitgenommen als wir. Da sie mit dem Bus nach Genua gefahren sind gabs keine Beschränkung – aber jetzt zurück im Flieger haben sie einfach zu viel über. Also bieten sie uns das alles an. Gott, die haben wirklich an alles gedacht. 30er Pack Wickelunterlagen, Erkältungsbäder, Fiebersäfte, 100er Pack Windelmüllbeutel, 2 riesige Flaschen Kindershampoo (die Dinger würden für Henri reichen bis er in den Kindergarten kommt, hunderte von Windeln über, 5 verschiedene Sorten á 700 gramm

Pulver / Flocken die man mit Milch anrühren kann und nicht zu vergessen x KG an Glässchen und keine Ahnung was noch alles.

Auch wenn wir zuerst gesagt haben das wir alles dankbar annehmen. Als ich diese Massen gesehen habe und das was wir schon selbst alles dabei haben habe ich das meiste abgelehnt, mir 3-4 Teile rausgesucht und das wars. Zum Glück bin ich alleine hin Simone hätte vermutlich alles genommen. Da wir selber genug Windeln haben habe ich keine mitgenommen.

Irgendwie schaffen wir es am Ende alles irgendwie zu verstauen aber mir kommen erste Zweifel ob wir das so tatsächlich alles zum Hotel bekommen oder nicht doch ein Taxi nehmen. Wir werden sehen.

Auf dem Schiff stehen ständig fotografen bereit und irgendwie habe ich den Fehler gemacht Henri an seinem Geburtstag knippsen zu lassen. Kurz danach fällt mir wieder ein, dass die Bilder direkt ausgedruckt werden ob man will oder nicht und dann kan man es kaufen oder lassen. Und dieser Trick zieht natürlich auch bei Simone.

Sie hat sich ALLE Bilder zurücklegen lassen (30 Stück oder so) und jetzt am letzten Abend gehen wir noch mal hin um die Auswahl zu treffen. Der Witz ist – es gibt zwar diverse verschiedene Formate (klein, mittel, groß, halb groß, Gala, Serie, keine Serie etc) aber es gibt KEINE Preislist ein der man sehen kann was was kostet. Nur Schilder 10% Rabatt, kaufe 5 und 5 gratis dazu.

Aber was das kostet – nirgends. Wir fragen nach aber es gibt keine Preisliste und je nachdem wen man fragt bekommt man leicht andere Preise. Simone hat sich also alle zurücklegen lassen.5 Fotografen stehen um sie herum und warten welche sie aussortiert. Wer kann die Bilder von Henri schon nicht wollen. Und welche Mutter kann es ertragen ausgedruckte Bilder von ihrem ersten Sohn und seinem ersten Geburtstag jetzt hier zu lassen in dem Wissen das diese dann vernichtet werden. Bilder vom Sohn. Vernichtet.

Die Fotografen wittern das Geschäft ihrer Kreuzfahrt. Und Simone? Sie ist unentschlossen. Immer wieder wühlt sie in den Bildern. Sortiert das eine hier hin das andere dort hin. Dann doch wieder anders. Eine Taktik lässt sich nicht erkennen. Sie macht es spannend. Die Fotografen können es kaum mehr aushalten.

Und dann verkündet sie ihre Entscheidung: „das hier“ Ein Schock geht durch die Runde und eine Fotograf kann seine Enttäuschung nicht verbergen: er verdreht die Augen, dreht sich zu seinen Kollegen um und flüstert „only one…..“ Damit hat keiner gerechnet. Nicht einmal ich. Selbst der Kassierer scheint so gefrustet zu sein, dass er Simone von dem digitalen Bild abrät und ihr empfiehlt es einfach einzuscannen – das selbe Ergebnis. Normalerweise kostet die digitale Kopie 10€ aber der Verkäufer will uns lieber schnell loswerden und das eben erlebte vergessen also noch eine CD für 10€ mit einem Bild zu brennen.

Simone freut sich über ihr Bild – und wir freuen uns ab morgen Kuba zu entdecken.

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Wo die Wölfe tanzen

Als ich wusste, dass es nach Namibia geht habe ich einen Ausflug sofort gebucht. Den nach Wolwedans im Namib Rand. Hier war ich damals auch mit Simone und unserer Meinung nach gehört dieser zu einem der schönsten Orte der Welt. Wolwedans  – wo die Wölfe tanzen.

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Das Geschenk

Zum 65. haben wir Papa einen Rundflug über das Dünenmeer von Sossusvlei geschenkt. Wir haben lange überlegt, ob er sich überhaupt darüber freuen würde. In einer kleinen Cessna über die Wüste Afrikas zu fliegen – als jemand der schon in einem Jumbo nicht gern einsteigt. Aber der Ausblick soll atemberaubend und unbeschreiblich sein im Sonnenuntergang über die Dünen zu schweben.

Und manchmal muss man seine Ängste überwinden und etwas neues erleben. Also haben wir es ihm einfach geschenkt. Bei der Übergabe hat sich Mama fast mehr darauf gefreut als Papa „Ach, das ist ja klasse, da freue ich mich aber schon drauf“. Wir lassen Sie zuerst mal in dem Glauben, aber eigentlich war das Geschenk nur für Papa bestimmt. Papas Reaktion fiel.. wie soll ich sagen.. verhaltener aus. Aber es war ja auch noch ein Monat Zeit.

Aber heute, wo der Tag gekommen ist, ist ihm doch etwas flau im Magen.

Da so ein Flug jedoch wetterabhängig ist konnten wir den nicht von Deutschland aus buchen sondern wollten das machen wenn wir vor Ort sind um zu sehen ob ein Flug überhaupt Sinn macht und möglich ist.

Chrischi und ich sind also gleich nach unserer Ankunft hingegangen um abzuklären welche Flüge es genau gibt, wie lange sie dauern, welche Strecke, welche Plätze frei sind etc.

Es kamen zwei Routen in Frage: 40 Minuten über das Dünenmeer bis zum Dead Vlei oder etwas über eine Stunde dann geht es noch raus bis zum Meer.

Wir haben der Dame gesagt, wir besprechen das kurz mit Mama und Papa und kommen gleich noch mal wieder. Als wir dann vorne in der Rezeption warteten haben wir uns gedacht – warum auf Mama und Papa warten und erst noch Diskussionen auslösen welche Route wir nehmen, wann wir fliegen und ob wir überhaupt fliegen. Denn Papa hat schon so ein paar Andeutungen gemacht, dass er nicht wirklich fliegen will.

Als wir vorhin vom Sossusvlei zurück gefahren sind war an einer kleinen Stelle ein bisschen diesige Sicht aufgrund von verwirbeltem Sand. Papas Kommentar: „Guckt mal, ob sich bei so einer Sicht ein Flug überhaupt lohnt?! Wäre doch Schade wir sind da oben und man sieht gar nicht so richtig schön.“ Ist klar! Der Flug war gebucht, also wird uns ein bisschen Sand nicht vom Start abhalten.

Der Flug soll um kurz nach Fünf gehen. Während wir bei Kaffee und Kuchen sitzen meint Papa „seit wir hier in Afrika sind, funktioniert mein Magen nicht mehr so richtig. Ich hab das Gefühl, dass ich bald Platz und das obwohl ich nur so wenig esse“ Irgendwas scheint ihm also wirklich auf den Magen zu schlagen.

Dann ist es soweit, wir gehen nach vorne, Chrischi und ich sind schon ein paar Minuten früher da

„Wir kommen für den Rundflug, 4 Personen Route 1“ Der Guide blättert. Und blättert. Und blättert. „Für heute?!“ „Ja!“ Blätter, blätter, blätter. „Hier ist für heute nichts eingetragen. Für morgen. Aber nicht für heute“ Das gibts doch nicht. Gestern erst gebucht und heute können sie die Buchung nicht mehr finden?! Inzwischen sind Mama und Papa auch angekommen. Also Papa die Situation begreift huscht Erleichterung über sein Gesicht. „Ach, das ist ja blöd. Aber ist ja egal, dann machen wir es halt morgen. Und wenn es nicht mehr klappt ist auch nicht so schlimm, es ist doch auch so schon schön. Das Geld könnt ihr lieber sparen“

Das könnte ihm so passen. So leicht lassen wir uns nicht abwimmeln. Der Guide telefoniert ein paar mal und versucht irgendwas zu regeln. Er meint „Eigentlich war heute nur eine Maschine geplant. Wir haben noch eine zweite aber wir müssen erst noch prüfen ob wir genug Sprit dafür haben.“ In der Zeit war Papa noch zwei, dreimal ein, dass die doch nicht extra so einen Aufwand machen müssen. Wenn es nicht klappt, dann klappt es leider nicht. Aber diese Kommentare prallten an uns ab. Irgendwann bekam der Guide wohl eine positive Antwort und meinte „Für Route 1 wird der Sprit wohl noch reichen“ Perfekt. Kurz noch die Formalitäten erledigt und dann gings los.

Jetzt gibt es auch für Papa kein zurück mehr.

Wir steigen auf einen Jeep und fahren zur 5 Minuten entfernten Landebahn. Wer jetzt einen deutschen Flughafen im Kopf hat kann das gleich vergessen. Es ist wirklich nur eine Staub und Schottenpiste mit einem größeren Schuppen, eine Art Hangar, mit zwei Cessnas davor. Unsere stand noch halb drin vermutlich wurde noch ein bisschen nachgetankt. Hoffentlich zumindest.

Pullover oder nicht?!

Pullover oder nicht?!

Aufgrund der Kleidungseskapaden hat sich Papa diesmal einen dicken Pullover mitgenommen um nicht wieder frieren zu müssen. Als wir aussteigen und vor den kleinen Maschinen stehen, in die wir gleich einsteigen sollen verstummt Papa fast vollendst. Außer einem leisen „Oh Gott, ich steig da nicht ein“ oder „Ich bleib hier“, „ich will da nicht rein“ ist von ihm während der kurzen Einweisung nicht viel zu hören. Mama redet gut auf ihn ein aber wir sind noch skeptisch ob er tatsächlich einsteigt. Die Flugzeuge sind wirklich winzig und erinnern von den Türen, Reifen etc. eher an einen alten fliegenden Käfer als an ein modernes, sicheres Flugzeug. Aber die machen diese Rundflüge hier mehrmals täglich, also wird schon alles seine Ordnung.

Wir haben noch 5 Minuten Zeit und Papa nutzt diese um noch einmal kurz zur Toilette zu gehen. Die Anspannung ist ihm förmlich anzusehen. Nachdem er da ist startet eine kurze Diskussion „Soll ich den Pullover jetzt anziehen oder nicht?! Wird es da oben viel kälter?!“ Hier unten grillen wir in der Abendsonne, aber da Chrischi und ich vorsichtshalber unsere Jacken überstreifen schlüpft auch er in seinen Pullover.

Unser Maschine

Unser Maschine

Der Pilot kommt und es geht los. Chrischi geht auf die Rückbank, Mama und ich auf die Plätze hinter dem Piloten und Papa, als Geburtsagsgeschenkskind „darf“ auf den Platz des Copiloten ganz nach vorn. In seinem dicken Pullover klettert er auf seinen Sitz und als wir alle in die Maschine eingestiegen sind startet der Pilot den Motor. Aber wir bleiben stehen. Mitten in der Sonne. Die eh schon warme Kabine heizt sich unerbärmlich auf. Wir müssen warten bis die andere Maschine losfliegt, da wir hinterher düsen. Zu der Hitze kommt auch noch der Angstschweiss, so dass Papa schon fast komplett durchnässt ist ehe es überhaupt losgeht. Da der Pilot auch nur in kurzem Hemd und kurzer Hose hier drin sitzt ist nicht davon auszugehen, dass es sich merklich abkühlt.

Chrischi und ich ziehen uns die Jacken wieder aus. Papa, der vorn einklemmt zwischen den Instrumenten in seinem dicken Pullover sitzt hat aber auch einfach kein Glück bei seiner Kleiderwahl. „Oh man ist das warm hier drin. Der dicke Pullover. Aber jetzt kann ich den bestimmt nicht mehr ausziehen“ Wir amüsieren uns hinten köstlich.

Gleich gehts los

Gleich gehts los

Aber da ich weiß, dass wir erst hinter den anderen Maschine starten werden und diese noch nicht mal los gerollt ist meine ich „Du hast noch genug Zeit. Zieh den Pullover lieber aus“ Er überlegt kurz und meint ja. Dann probiert er sich aus dem Pullover zu schälen. Stellt euch vor ihr sitzt im Auto hinterm Lenkrad und der Sitzt ist fast ganz nach vorn geschoben. Zudem stößt euer Kopf schon fast an das Dach und die Arme haben weder nach links noch rechts Platz. In dieser Position aus einem verschwitzen Kapuzen Pullover, der auch noch einen extrem hohen, geschlossenen Kragen hat zu kommen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Aber Papa fängt an und wir kriegen uns hinten kaum noch ein vor Lachen.

Da ich hinter Papa sitze helfe ich ihm dabei den engen Pullover irgendwie seinen Rücken hochzuschieben und über seinen Kopf zu hieven. Mama fasst an den Armen auch noch mit an und mit vereinten Kräften schaffen wir es ihm das Ding förmlich vom Leib zu reissen. Gerade noch rechtzeitig, denn jetzt gehts los.

Der Motor dröhnt auf und wir rollen langsam zur Startbahn. Der anderen Maschine hinterher. Papa hat noch ein paar mehr Minuten sich auf den Start zu freuen, denn wir rollen erst ganz ans Ende der Piste. Oh man, was muss das für eine Folter für ihn sein.

So, wir sind am Ende angekommen, eine Drehung und da stehen wir. Die andere Maschine ist weg und jetzt hindert uns nichts mehr am starten. Der Pilot schließt noch kurz das klapprige Seitenfenster bevor er den Gashebel durchdrückt. Der Motor heult noch lauter auf und die Cessna nimmt Geschwindigkeit auf. Hier holpern wir in dieser kleinen Mühle über die Schotterpiste. Die Reifen hüpfen nur so über die Steine. Was ist eigentlich wenn hier mal ein Reifen platzt?! Keine Zeit zum Denken, denn der Flieger wird immer schneller und es wir immer lauter. Papa sagt kein Wort. Und dann plötzlich. Das Rumpeln hört auf. Wir sind in der Luft und steigen auf. In Sekunden verschwindet die Startbahn hinter uns, wir überfliegen unsere Lodge. Fliegen über einen Canyon und befinden uns auf dem Weg zu den Dünen. Die Aussicht: unbeschreiblich. Am Horizont neigt sich die Sonne dem Untergang entgegen, die Dünen werfen Schatten und von hier oben sieht alles noch einmal schöner aus. Aber das Flugzeug fliegt immer noch recht niedrig, so dass man alle Details erkennen kann.

Ihm gefällts

Ihm gefällts

Und Papa? Mit jeder Minute in der Luft fällt seine Anspannung und, wer hätte das Gedacht er genießt den Flug richtig. Auch er ist überwältigt von der Aussicht und den Eindrücken aus der Luft. Man mag sich gar nicht satt sehen. Haben wir heute morgen noch eine Stunde dafür gebraucht sind wir jetzt schon nach 15 Minuten an der Düne und am Dead Vlei angekommen.

Die Sonne geht immer weiter unter und das rot der Dünen wird immer intensiver. Fast könnte man meinen sie brennen. Manchmal fliegen wir noch ein paar Meter über die Dünen hinweg so dass wir die Oryx Antilopen aufscheuchen und diese aus Instinkt vor uns weglaufen.

Da sind wir also. Im kleinen Flugzeug über einen Meer aus roten Sanddünen. Unter uns springen die Antilopen, der Schatten unseres Flugzeugs gleitet über die Dünen und die Sonne verschwindet am Horizont. Unvergessliche Bilder.

Der Copilot

Der Copilot

Und auch für Papa vergeht die Zeit wie im Flug und er ist mehr als begeistert. Zwischendurch fängt er sogar wieder mit Späßen an. Er deutet an, dass er jetzt das Steuer übernehmen will (auch vor dem Kopiloten hängt ein Steuerknüppel). Als der Pilot das mitbekommt lässt er seinen sofort los und deutet das Papa jetzt gern übernehmen kann. Das wäre dann wohl doch ein bisschen zu viel für den ersten Flug. Er lehnt dankend ab.

Schneller als uns allen lieb ist sind die 40 Minuten rum und die Sonne geht unter. Es geht zurück zur Landebahn. Noch mal ein Flug über unsere Lodge und da ist die Piste auch schon. Ein paar hundert Meter vor uns setzt auch das andere Flugzeug zur Landung an. Wir dahinter. Kommen näher. Näher. Noch näher. Der andere setzt auf. Wir keine 100 Meter dahinter und noch verdammt schnell. Will der jetzt etwa noch hinter der anderen landen?!?! 50 Meter. Es wird totenstill in der Kabine. Noch 10 Meter. Nein, hinter der Aufsetzen ist unmöglich, wir sind viel zu schnell. Er fliegt keine 5 Meter über die andere drüber. Aber will er jetzt noch lande?!? Wir sind viel zu schnell für den kurzen Rest Landebahn. Aber er geht tiefer. Was macht der Typ da?!

Ein paar Sekunden lässt er uns noch bangen, dann gibt er Vollgas, zieht die Maschine nach oben, macht eine scharfe Rechtskurve und kann sich ein lautes lachen nicht verkneifen als er Papas „uiuiui…oohhhhh.neeeeiiiiin“ bei dem Mannöver hört. Ist geiler als Achterbahnfahren. Der Pilot lacht vor sich hin als er auf einen Knopf drückt und das Fahrwerk ausgefahren wird. Die ganze Aktion war also geplant, aber hat er sich wirklich eiskalt durchzogen. Ein toller Abschluss.

Als wir dann sich gelandet sind, aus der Maschine raus und auf dem Rückweg zur Lodge merkt man auf einmal wie entspannt und gelöst Papa ist. Es hat ihm richtig gut gefallen und endlich ist auch das Damoklässchwert „Rundflug“, vor dem er jetzt vier Wochen Angst hatte, weg. Und ich denke er ist sehr froh darüber, dass wir ihm zu seinem Glück Rundflug „gezwungen“ haben.

Beim Abendessen kann auch er jetzt wieder richtig zuschlagen. Sein Magen-Darm System funktioniert wieder ganz normal.

Nun kann auch er den Urlaub unbeschwert genießen.

 

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Unser Maschine

Unser Maschine

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Pullover oder nicht?!

Pullover oder nicht?!

Des Erichs falsche Kleider

Heute stehen die roten, riesigen Dünen der Namib bei Sossusvlei auf dem Programm. Als Papa hört, dass wir auf eine, die größte, Düne hochlaufen wollen kann man nicht gerade sagen, dass seine Vorfreude ins unermessliche steigt.

In Afrika wird es um diese Jahreszeit in unserer Gegend tagsüber über  30 Grad heiß – kühlt sich Nachts aber auf bis zu 5 Grad ab. Morgens ist es daher mit 6,7,8 Grad ziemlich frisch. Sobald die Sonne etwas höher geht heizt es sich aber schnell auf.

Dass in Afrika der Tag früh beginnt haben die drei vorher wohl so auch nicht gewusst, oder ich habe es bei der Planung nicht explizit genug erwähnt. Oder verschwiegen? Afrika ist nicht das Land für lange Saufgelage am Lagerfeuer um dann gegen 10, 11 Uhr zum Frühstück zu spazieren.

Hier dreht sich das Leben mit der Sonne, die gegen 6:30 Uhr aufgeht. und 12 Stunden später wieder untergeht. Dann wird i.d.R. gegen sieben gefrühstückt und genauso zu Abend gegessen. Spätestens um Zehn herrscht Bettruhe um Kräfte für den nächsten Tag zu sammeln. In diesem Rhythmus müssen die drei aber erstmal finden. Die Flasche Captain Morgan, die Christoph in Windhoek erstanden hat, hilft allerdings nicht wirklich dabei früh uns Bett zu kommen.

Daher verabreden wir uns für den ersten morgen auch etwas später zum Frühstück, so auf halb acht. Das bin ich von Simone gar nicht gewöhnt, denn da muss jeder Sonnenaufgang mitgenommen werden. Könnte ja sein, dass gerade heute der Schönste aller Zeiten stattfindet. Aber für die anderen ist halb Acht schon eine sehr frühe Zeit für ein Frühstück im Urlaub. Mama meint sie kann sich nicht erinnern im Urlaub mal so zeitig frühstücken gegangen zu sein.

Aber wir wollen ja auf die Dünen hoch und das möglichst bevor das Thermometer 30 Grad erreicht hat.

Obwohl es jetzt beim Frühstück mit 8 Grad eigentlich sehr frisch ist hat die Sonne schon so viel Kraft, dass man gut auf der Terrasse sitzen kann. Und man hat das Gefühl alle 5 Minuten ist es wieder ein Grad wärmer geworden. Nach dem Frühstück gehts noch einmal kurz zu unseren Häuschen um alles für den Tag zu packen. Chrischi und ich schnappen uns einen leichten Pullover und eine Jacke. Die Dünen sind ca. 1 Autostunde entfernt und wenn es uns dann zu warm werden sollte können wir die Sachen ja einfach im Auto lassen.

Mama und Papa verlassen ihr Häuschen auch erst mit Jacke aber nach ein paar Schritten in der Sonne dreht Mama nochmal um und meint „das wird so heiß, ich lass meine Jacke gleich hier“ Papa guckt etwas irritiert und lässt daraufhin auch seine Jacke in der Unterkunft und bricht nur im T-Shirt auf. Eigentlich hatte er unter dem T-Shirt noch ein Unterhemd aber Mama meinte das sei doch später viel zu warm und empfahl ihm das besser auszuziehen. Auch wenn er nach den Erfahrungen von der Kreuzfahrt (man denke an das Drama der kurzen Hose) eigentlich wissen müsste, dass man Mamas rat in Kleidung nicht immer blind trauen sollte zog er das Unterhemd noch aus und startete den Trip nur in T-Shirt. Obwohl es kein Problem gewesen wäre die Jacken einfach im Auto zu deponieren, da wir sie ja eh nicht schleppen müssen, nahmen die beiden nichts weiter mit. Und das mit 65 Jahren Lebenserfahrung.

Aber im Auto war es warm genug und als wir eine Stunde später gegen 10 Uhr ankamen waren es 18 Grad. In der Sonne ohne Wind gefühlt noch einige Grad wärmer. Die letzten 5 KM können wir mit unserem Auto nicht selbst fahren, da es durch tiefen Sand geht. Daher steigen wir in Offroad-Transporter um. Da Papa weiß, dass wir gleich Dünen erklimmen wollen und die Temperatur weiter steigen wird fragt er Richtung uns gewandt „Ich glaube ich ziehe noch meine kurze Hose an, es wird bestimmt gleich richtig heiß“ Mama „Das musst Du selber wissen“ Chrischi „Also ich zieh auch nur eine kurze an“ Ich lasse meine lange Hose an, da ich mir sonst noch die Beine mit Sonnencreme eincremen müsste und was Sand an frisch eingecremten Beinen macht könnt ihr euch vorstellen. Papa schlüpft in seine kurze Hose. Chirschi und ich sehen den offenen Transporter in den wir gleich steigen müssen und schlüpfen noch ein einen Pullover, da es oben auf der Ladefläche doch etwas frischer werden könnte.  Dann ging es in den Transporter.

Diese war ein offener Jeep und wir saßen oben drauf. Es geht los. Der Jeep fährt nicht viel schneller als 30 aber der Wind pfeift und die 18 Grad, die sich bei Windstille eben noch wie 25 Grad angefühlt haben fühlen sich plötzlich nur noch wie 8 Grad an.

Mit jeder Minute im Windzug trübt sich Papas Stimmung merklich ein. An Mama gewandt „Und Du hast noch gesagt ich brauch keine Jacke… und das Unterhemd sollte ich auch noch ausziehen“ Er versucht sich irgendwie das T-Shirt vor dem Hals als Schutz aufzubauen und kauert sich zusammen. Aber vergebens. Keine Chance bei dem Wind. Nur mit T-Shirt ist es einfach kalt in einem offenen Wagen. Chrischi und ich haben noch Pullover und stören uns also nicht weiter daran. Aber Papa will am liebsten aussteigen. Das geht hier aber nicht. Erinnerungen an die Türkei kommen rauf als wir die Stadtrundfahrt gemacht haben und Papa mit dem Argument nach oben gelockt haben, dass wir doch so ein schönes Plätzchen ganz am Ende des Busses für ihn gefunden haben. Wie sich herausstellte strudelte sich der Wind dort geradezu, so dass es vermutlich einer der zugigsten Plätze war. „Morgen sind wir bestimmt alle krank. Du hast gesagt es sei so heiß“ In unserem Auto saßen noch eine Gruppe Japaner „Guck mal, die haben alle Jacken an. Selbst der Japaner weiß dass man sich hier morgens warm anziehen muss. Und wegen Dir hab ich meine Jacke da gelassen und muss jetzt frieren *grummel*“

Chrischi und ich haben uns die Fahrt über köstlich amüsiert 🙂

Die Fahrt dauerte nur 10 Minuten und wir wurden am Fuße der Dünen ausgeladen. Viele Besucher waren eh nicht da, und die wenigen anderen gingen direkt zum so genannten Dead Vlei eine Art ausgetrockneter See im Tal zwischen den Dünen. Aber wir wollen das ganze nicht nur von unten sehen sondern von oben.

DSC04304Die Dünen türmen sich hier bis zu 300m hoch und wir wollen rauf. Also mit wir meine ich Chrischi, Mama und mich. Papa ist nicht so begeistert von der Idee. Aber er ist tapfer und ihm bleibt kaum eine andere Wahl also wandern wir los. Wir sind die einzigen, die sich ihren Weg die Dünen hoch bahnen.

Abgesehen von einigen Kommentaren hin und wieder wie „Hilfe, ich glaube ich muss sterben wenn ich einen falschen Schritt mache“ „Warum sind wir die einzigen die hier oben rumlaufen müssen?!“ „Selbst die Japaner laufen unten“  sind wir über Papa ziemlich überrascht. Nicht nur, dass er mit 65 Jahren hier in der Hitze noch die Dünen mit hochmarschiert nein, er überwindet auch noch seine Höhenangst. Ein bisschen zumindest, denn obwohl er eigentlich auf jedem kleinen Gipfel wieder absteigen möchte kommt er tatsächlich mit hoch bis zur zweit höchsten Düne. Oben genießen wir gemeinsam die atemberaubende Aussicht über das Dünenmeer und Dead Vlei.

Aber die Höhe reicht Papa auch und weiter zur höchsten Düne muss er jetzt nicht mehr wandern. Daher steigen die beiden von der Düne ab, Papa überwindet zwar seine Angst es sieht aber trotzdem ein bisschen aus als ob er auf rohen Eier balanciert während er die Düne an der Flanke hinuntergeht.

Chrischi und ich wollen noch die Düne „Big Daddy“ erklimmen, und der Weg zieht sich ganz schön.

DSC04294-2Als ich mit Simone hier war, waren zumindest noch eine Handvoll Touristen da, die sich ebenfalls auf den Weg gemacht haben. Diesmal sind wir die Einzigen. Nach insgesamt 1,5 Stunden sind wir oben. Nichts als riesige, rote Dünen… so weit das Auge reicht. Unter uns als weißer Kreis das Dead  Vlei  mit seinen bis zu 800 Jahren alte toten Bäumen. Mama und Papa warten irgendwo da unten. Nach einer kleinen Pause auf dem Gipfel springen wir die 300 Meter steile Düne an der Flanke runter und das ganze macht tierischen Spaß. 1,5 Stunden hoch und in 5 Minuten runter. Aber schön war es. Unten kippen wir erstmal 1 Kilo Sand pro Schuh, treffen auf Mama und Papa und machen uns auf den Rückweg zu dem Punkt wo einen der Transport wieder einsammelt.

Auf der Rückfahrt sind wir ganz allein im Jeep und da es mittlerweile richtig heiß geworden ist kann auch Papa die Fahrt genießen. Da kein anderer Gast an Board gibt der Fahrer ein bisschen mehr Gas und als er über die ersten Sandbuckel saust fängt Papa an Kommentar von sich zu geben was wir als Anlass nutzen die dem Fahrer damit zu übersetzen, dass Papa gern noch ein bisschen schneller fahren möchte. Der Fahrer lässt sich nicht lumpen und gibt richtig gas. Ein spaßiger Abschluss für alle. Zwischen drei und vier kommen wir wieder in der Lodge an.

Es bleibt noch Zeit für eine von Mama und Papa lang ersehnte Kaffee Pause. Denn jetzt steht das nächste Abenteuer an: der Rundflug.

 

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Der „perfekte“ Beifahrer

Mit dem Flug hat alles pünktlich geklappt. Auch das Gepäck wartet schon auf uns am Förderband. Sogar den Mietwagen habe ich diesmal auf den richtigen Tag gebucht und als die nette Dame am Schalter sieht, dass wir vier Erwachsene sind fragt sie noch kurz mit wie viel Gepäck wir reisen und ehe ich antworten kann tauscht sie schon die Schlüssel aus.

Wir kommen zu unserem Auto und haben ein Upgrade in die größere Kategorie bekommen. Papas erster Kommentar „da machst Du so einen Stress wegen den Koffern und jetzt hätte wir doch jeder ein Großen mitnehmen können“

Sein Gesicht hätte ich sehen möchten wenn wir hier mit 4 großen Koffern plus Rucksäcken plus Handgepäck gestanden hätten und das ganze nicht ins Auto bekommen hätten.

Bei der Autovermietung lassen nur Chrischi und ich uns als Fahrer registrieren da Papa keinen Internationale Führerschein hat. Den braucht man zwar nicht unbedingt aber aufs Linksfahren ist er auch nicht unbedingt so scharf.

Auch die Übergabe ging reibungslos und schon sind wir unterwegs vom Flughafen Richtung Windhoek City. Dort angekommen wird erstmal, wer hätte das Gedacht, eine Kaffeepause eingelegt. Ich verspreche Papa, dass wir an jedem Cafe anhalten das wir während der Fahrt sehen. Dass die nächsten 5 Stunden keins gibt ist ja nicht unsere Schuld 😉

Wir decken uns noch ein bisschen mit Verpflegung für die Fahrt sein. Ich kaufe ca. 12 Liter Wasser worauf hin Papa „das ist doch viel zu viel. Wer soll das denn alles trinken?!“ Kurz gerechnet 4 Personen ergibt 3 Liter pro Person. Wenn wir jetzt tatsächlich im Nirgendwo liegen bleiben ist das eher noch zu wenig. Also laden wir ohne große Diskussion ein. Er beschwert sich nur wieder, dass er immer schleppen darf 😉

Anders als in DeutschlandÜber 90% der Straßen die wir fahren werden sind Schotterpisten. Chrischi fährt, ich sitze daneben, Mama und Papa hinten drin. Wie früher, nur andersrum. Als wir auf die Schotterpiste einbiegen setzten die Kommentare von Papa ein „Du fährst viel zu schnell“ „Oh man, wie holpert das hier“ „Achtung!“ „Was haben wir denn für einen Fahrer?!“ „UiUiUi“ „Oh mein Gott“ „Fahr mal langsam“ „Du rast“ Und ich weiß nicht was noch alles.

Das man auf Schotter- und Geröllpisten nicht so dahin gleitet wie auf einer deutschen Autobahn scheint ihm neu zu sein und selbst wenn Chrischi 50 fährt ebben die Kommentare nicht ab. Aber Chrischi lässt sich nicht weiter davon irritieren und fährt einfach weiter. Nach ein paar Stunden auf den Straßen hat auch Papa sich dran gewöhnt und die Kommentare lassen nach. Er fragt nur noch „Wann gibt’s Kaffee?!“

Irgendwann kommt ein Schild „Connys Cafe“ Ok, endlich ein möglicher Stopp. Aber als wir dann vor der Einfahrt stehen will Papa, der im 30 Minuten Takt eine Kaffeepause gefordert hat plötzlich doch nicht mehr anhalten. „Ach, wir müssen auch nicht anhalten“ Keine Ahnung wie er sich hier in der Wüste, stundenlang von der nächsten Zivilisation eine Kaffeebar vorgestellt hat aber scheinbar nicht so: eine total verwaistes Blechgebilde auf einem von Schotter, Staub und Wüste umgebene Grundstück hinter einem verrosteten alten Maschendraht Zaun erinnert das ganze eher an eine Geisterstadt“ Mama meint: „lass uns doch halten. Du wolltest doch einen Kaffee“ „Muss nicht sein“

So ähnlich sah das Café ausAber Chrischi und ich sind auch der Meinung, dass wir jetzt hier halten also biegt Chrischi in die eigenartige Einfahrt in der es ein Café geben soll ein. Nach ein paar hundert Metern auf einem kleinen Schotterweg endet unsere Reise vor einem verschlossenen Tor. Man hört Papa erleichtert seufzen „ist doch nicht so schlimm, dass die zu haben“

Chrischi und ich grinsen uns an. Wir drehen um und fahren weiter. Irgendwann übernehme ich mal das Steuer und Papas Kommentare über den Fahrstil setzen manchmal wieder ein. In den Straßenkarten gibt es rote, gelbe und graue Straßen. Rot = Teer (so gut wie nicht vorhanden)

Gelb = „große“ Schottenpisten die mehr oder weniger regelmässig zumindest mal ausgebessert werden. Und grau. Einfache Geröllpisten die den Namen Straße eigentlich nicht verdienen und so gut wie überhaupt nicht befahren werden. Pro Stunde begegnet einem ggf. mal ein Auto. Und auf unserer Route liegt ein ziemlich langer Abschnitt grauer Straßen.

Das Problem ist, dass man manche Hindernisse auf der Straße trotz langsamen Fahrens (60-80) einfach nicht oder zu spät sieht. Da taucht dann plötzlich eine Senke auf und man hat nur noch die Möglichkeit voll in die Bremsen zu steigen oder durchzufahren und mit Papas Kommentar zu leben. Wobei wir diese wohl auch bekommen hätten wenn man voll in die Eisen steigt.

Die meisten Senken können wir trotzdem gut umgehen aber einmal erwische ich eine mit 70 oder so und es war genug um wieder einen Kommentar zu hören „uiUiUi“

Bevor wir den Platten bemerktenNach ca. 4-5 Stunden sind wir kurz vor unserem Ziel und ich halte noch einmal da sich ein schönes Fotomotiv darstellt da gerade die Sonne untergeht.

Hier stehen wir, mitten im Nirgendwo. Die Berge von der untergehenden Sonne rot gezeichnet. In der Ferne türmen sich rote Dünen in den Himmel. Kilometer weit nichts außer Natur. Ganz in der Weite kann man eine Staubwolke erkennen welche ein Auto ankündigt. Stille. Ich gucke auf die Vorderreifen und meine „das sind aber schon ganz schön gute Reifen, letztes mal hatten wir kleinere Dinger drauf“ Da fällt mein Blick auf den einen Hinteren der etwas schwach aussieht „hier sollten wir gleich mal den Luftdruck prüfen“ Zustimmung von allen. Bei genauerer Betrachtung sieht das ding sogar fast platt aus. Dann checken wir auch die beiden anderen. Vorne beide gut aber hinten links: platt wie ne Flunder. Totalschaden.

Das gibts doch nicht. Das letzte mal fahre ich mit Simone hier fast 4.000 KM ohne einen Platten und jetzt bei der ersten Fahrt direkt zwei platt.

Das ist natürlich Wasser auf Papas Kommentarmühlen: Ich hab doch gesagt, das war zu schnell. Das ist bestimmt bei einer der Senken passiert. Zeter Zeter Zeter. Wird Zeit, dass er selber mal fährt.

Wir sind nur noch 12 KM von der Lodge weg und vom letzten mal weiß ich, dass es dort direkt in der Nähe auch eine Tankstelle gibt. Wir entscheiden uns mit den beiden Platten langsam dorthin zu fahren. Die Kilometer ziehen sich und wir beobachten die beiden Reifen im Rückspiegel.

Während wir fahren diskutieren wir noch ob wir anhalten und den komplett Platten wechseln aber vielleicht geht aus dem anderen in der Zeit auch die Luft total raus und dann hat alles nichts gebracht. Also schleichen wir zur Tankstelle.

Profis am WerkNach einer gefühlten Ewigkeit kommen wir an und der Tankwart weist uns direkt einen Platz vor dem Service Point zu. Aber wir kommen nicht sofort dran sondern müssen uns in der Schlange anstellen, denn wir sind nicht die Einzigen die es erwischt hat. Täglich wechseln und flicken die hier mindestens 20 Reifen.

Papa ist zwar zuerst immer noch davon überzeugt davon, dass es an unserer Fahrweise liegt aber als immer mehr Autos zum Reifenwechsel ankommen und sich rausstellt, dass sich bei uns eine Schraube und ein kleiner Spitzer Stein reingebohrt hat glaubt auch er langsam, dass es einfach Pech war.

Zum Glück aber auch, dass wir es kurz vor der Lodge gemerkt haben und jetzt nicht mitten in der Wüste ausharren müssen. Der Tankwart ist ein Profi und flickt unsere beiden Reifen in Null-Komma-Nix. Samt abziehen, Flicken, aufziehen etc. kostet das ganze nur 8€ pro Reifen. Mitten im Niergendwo. Ein Schnäppchen. Die Pause wird dazu genutzt erstmal ein kühles Bier zu genießen bevor es weiter zu Lodge geht die direkt um die Ecke ist.

Und dann kommen wir an. Im Traum von Afrika.

Oryx begrüßen unsDie Lodge ist wie eine kleines Beduinendorf gebaut. Die Sonne geht gerade unter. Im Eingangstor werden die ersten Fackeln entzündet. Über uns Baldachine aus Stoff. Die Mitarbeiter begrüßen uns mit einem kleinen Willkommenstrunk. Die Tische auf der Terasse sind bereits zum Abendessen gedeckt und stehen direkt gegenüber einem Wasserloch. Langsam werden Feuer angezündet und erste Kerzen angesteckt.

Wir erhalten unsere Lodges am Ende und haben somit den ungehinderten Blick in die Wildnis. Bei der Unterkunft angekommen stehen keine 10 Meter entfernt 5, 6 Oryx-Antilopen bereit um uns in unserem Häuschen zu begrüßen. Mama ist begeistert.

Wir sind da.

 

 

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SONY DSC Wo ist das Loch? Schlangen am Reifenstand Da geht nichts mehr Oryx begrüßen uns SONY DSC Wir sind daSONY DSC SONY DSC SONY DSC

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