Die Anreise

Es geht los. Um die 10.000 KM liegen vor uns. Über 10 Flugstunden. Ihr könnt euch vorstellen wie sehr sich Papa, der noch vor kurzem gesagt hat „ich fliege überhaupt nicht“ sich auf den Langstreckenflug freut.

Mittags geht’s zum Flughafen nach Hannover und alles läuft nach Plan. Gegen vier landen wir in Frankfurt und da wir über 6 Stunden Aufenthalt haben fahren wir kurzerhand in die Stadt. Während Mama und Chrischi direkt eine kleine Shoppingtour einlegen (mit dem Hinweis von Papa „aber im Koffer sind nur noch 100 Gramm frei“) finden Papa und ich das Frankfurter Weinfest und wir bestellen die Frankfurter Spezialität „Applewoi“. Keine Ahnung ob die alle gleich sind aber das Zeug was wir hatten war sauer wie sau. Deswegen nimmt Simone immer süß-gespritzt. Wir spülen den Appelwoi mit einem hausgebrauten Frankfurter Bio-Bier runter aber auch das kann den Braumeister nicht vollends überzeugen.

Wir müssen Papa regelrecht davon abhalten sich hier nicht einfach eine Bratwurst auf die Faust zu holen, denn wir wollen die beiden schon mal auf Afrika einstimmen und in unser „Stammlokal“ in Frankfurt gehen „im Herzen Afrikas“. Obwohl Donnerstag ist es ausgebucht, aber wir haben Glück denn eine Tischreservierung hat gerade abgesagt und so können wir Papa, zwar mit ein bisschen Gezeter „aber ich will nicht so was komisches essen was mir nicht schmeckt“ gerade noch von seiner Bratwurst abhalten.

Wir bestellen die gemischte Probierplatte und – es schmeckt den beiden. Allerdings sind sie irritiert als es statt Besteck einfach eine Art Pfannkuchen gibt mit dem man sich das Essen greifen soll. Also Pfannkuchen abreissen, in die Finger nehmen und damit zulangen.

Im Anschluss geht es zurück zum Flughafen und ohne viel Wartezeit direkt in den Flieger – A380.

Wir haben Plätze im Oberdeck, und da es dort nur eine Handvoll gibt haben wir es richtig ruhig. Für Papa, der weder liest, Musik hört oder einen Film guckt vergeht die Zeit im Schneckentempo. Jeder Blick auf die Uhr „wieder nur 15 Minuten um“ und immer noch 8 Stunden vor einem.

Hört sich alles schlimmer an als es. Chrischi steht z.B. während des gesamten Fluges nicht einmal auf und ab einem gewissen Punkt verfliegen die Stunden nur so und wir landen gegen 9 Uhr morgens in Johannesburg. Bei 6 Grad. Was ist denn hier los?! Wir dachten wir sind in Afrika. Und 6 Grad hören sich nicht nur kalt an, sie sind es auch.

„Wie kommen wir jetzt zum Hotel?“ fragt Mama. „Mit dem Zug“ . „Was???? Wir sollen mit dem Zug fahren?? In Afrika???“ dann Papa: „ich will gar nicht nach Johannesburg, Ich hab gerade noch gelesen, dass ist die gefährlichste Stadt der Welt. Jeden Morgen müssen die hier erstmal die Leichen von der Straße kehren“

Ich glaube die Reise bereitet mich schon mal darauf vor wie es dann sein wird mit Kindern unterwegs zu sein.

Allen Widerworten zum trotz fahren wir mit dem Zug und die beiden sind ganz überrascht wie modern das Teil ist. „Der Unterscheidet sich ja gar nicht zu den Deutschen“ so Mama. Keine 15 Minuten später kommen wir an der Haltestelle an und unser Hotel liegt direkt auf der anderen Straßenseite. Dachten wir zumindest. Beim Check-in wird uns erklärt „Ja, ihr habt zwar im Radisson Blue gebucht, aber nicht in diesem hier sondern in einem Anderen“

Oh, wie konnte uns das passiere. Wo liegt das andere jetzt? Am anderen Ende der Stadt?! Und wie soll ich das Mama und Papa erklären? Zum Glück sind die Eltern während des Check Ins nicht dabei und ich kann erstmal in Ruhe klären wo das eigentliche Hotel ist. Nur 300 Meter weiter entfernt und das Shuttle bringt uns auch noch hin. Also alles halb so wild.

Check In zweiter Versuch „Ja, hier ist ihre Reservierung. Sie sind ein bisschen spät dran, wir dachten Sie kommen schon gestern. 4 Nächte, richtig?!“ Oh man, nicht schon wieder. Ich erinnere mich genau als ich das letzte Mal mit Simone in Namibia war und den Mietwagen auch irgendwie einen Tag früher gebucht hatte und er dann fast verfallen war. Deshalb war ich mir diesmal so sicher keinen Fehler gemacht zu haben.

Ich gucke noch mal auf den Zettel und da steht dick und fett: 1 Nacht, vier Personen. Von heute auf morgen. Es hilft nichts, sie kann keine entsprechende Reservierung finden.

Na das fängt ja gut an. Auch hier sind Mama und Papa zum Glück wieder außer Hörweite. Aber irgendwann wundern sie sich warum es so lange dauert und sie kommen nach vorne. Um nicht gleiche eine unnötige Panik auszulösen halte ich mich mit einer Erklärung relativ kurz und die beiden sind erstmal beruhigt.

Nach ein paar Minuten ändert die Dame unsere Reservierung und nach einem Kaffee können wir dann auf unsere Zimmer um uns ein bisschen frisch zu machen.

Im Anschluss gehts zum Nelson Mandela Square wo es eine Shopping Mall gibt. Bei 6 Grad und Wind haben wir keine Lust großartig draußen herumzulaufen.

Während unseres „Abendessens“ um halb vier Nachmittags überlegen wir, wie wir morgen früh zurück zum Flughafen fahren wollen. Bahn oder Taxi. Taxi soll bis zu einer Stunde dauern, daher plädieren wir für die 15 Minuten Bahn. Und dann kommt plötzlich noch eine Diskussion „und wie kommen wir zur Bahnstation?!“ Die keine 500 Meter vom Hotel weg ist wohlgemerkt.

Papa, der vor ein paar Stunden noch keinen Fuß nach Johannesburg setzen wollte „Ach, das können wir doch Laufen“ Mama „Morgens um 4 im Dunkeln? Da sollen wir durch die gefährlichste Stadt der Welt laufen? Dann sind wir wohl die, die morgens von der Straße gekratzt werden“

Als ob morgens um 4 nur jemand auf Touristen warten würde die vom Hotel 5 Minuten zur Bahn laufen.  Um Mama die Angst zu nehmen laufen wir die Strecke im Hellen von der Mall, die direkt bei der Bahnstation ist, zurück zum Hotel.

Mama und Papa würden vermutlich jetzt noch an einer der zahlreichen Straßen stehen, die wir passieren mussten denn die Ampeln sind mehr als grober Richtwert zu verstehen. Wer hier auf eine Grünphase wartet bei der man ohne zu gucken die Straße überqueren kann steht sich die Beine in den Bauch. Also wird sich einfach ein Weg durch die Autos gesucht und ich höre Mama von hinten nur rufen „oh Gott“ und Ähnliches.

Wir kommen sicher im Hotel an.

Da wir morgens so früh fahren frage ich noch einmal wie lange denn die Fahrt um die Zeit dauern würde und ich beschließe kurzerhand ein Taxi vom Hotel zum Flughafen zu buchen. Somit erübrigen sich weitere Diskussionen. Und welch ein Glück, denn morgens schüttet es in Strömen.

Wir gehen um 4:15 Uhr nach unten und fragen nach unserem Taxi welches auf die Minute pünktlich vorfährt. Aber der Fahrer erhält trotzdem einen Rüffel vom Doorman „Du musst auf die Gäste warten, nicht andersrum“. Wir sagen ihm gleich, dass es nichts macht er sei doch genau pünktlich gekommen….und das in Afrika.

Nach zwanzig Minuten sind wir am Flughafen und jetzt sitzen wir im Flieger nach Windhoek, Namibia.

Dort soll auch das Wetter wesentlich besser sein. Gegen 8 Uhr (1 Stunde Zeitverschiebung zurück) sollen wir landen und dann kann der eigentliche Urlaub beginnen.

Wir sind gespannt.