Der „perfekte“ Beifahrer

Mit dem Flug hat alles pünktlich geklappt. Auch das Gepäck wartet schon auf uns am Förderband. Sogar den Mietwagen habe ich diesmal auf den richtigen Tag gebucht und als die nette Dame am Schalter sieht, dass wir vier Erwachsene sind fragt sie noch kurz mit wie viel Gepäck wir reisen und ehe ich antworten kann tauscht sie schon die Schlüssel aus.

Wir kommen zu unserem Auto und haben ein Upgrade in die größere Kategorie bekommen. Papas erster Kommentar „da machst Du so einen Stress wegen den Koffern und jetzt hätte wir doch jeder ein Großen mitnehmen können“

Sein Gesicht hätte ich sehen möchten wenn wir hier mit 4 großen Koffern plus Rucksäcken plus Handgepäck gestanden hätten und das ganze nicht ins Auto bekommen hätten.

Bei der Autovermietung lassen nur Chrischi und ich uns als Fahrer registrieren da Papa keinen Internationale Führerschein hat. Den braucht man zwar nicht unbedingt aber aufs Linksfahren ist er auch nicht unbedingt so scharf.

Auch die Übergabe ging reibungslos und schon sind wir unterwegs vom Flughafen Richtung Windhoek City. Dort angekommen wird erstmal, wer hätte das Gedacht, eine Kaffeepause eingelegt. Ich verspreche Papa, dass wir an jedem Cafe anhalten das wir während der Fahrt sehen. Dass die nächsten 5 Stunden keins gibt ist ja nicht unsere Schuld 😉

Wir decken uns noch ein bisschen mit Verpflegung für die Fahrt sein. Ich kaufe ca. 12 Liter Wasser worauf hin Papa „das ist doch viel zu viel. Wer soll das denn alles trinken?!“ Kurz gerechnet 4 Personen ergibt 3 Liter pro Person. Wenn wir jetzt tatsächlich im Nirgendwo liegen bleiben ist das eher noch zu wenig. Also laden wir ohne große Diskussion ein. Er beschwert sich nur wieder, dass er immer schleppen darf 😉

Anders als in DeutschlandÜber 90% der Straßen die wir fahren werden sind Schotterpisten. Chrischi fährt, ich sitze daneben, Mama und Papa hinten drin. Wie früher, nur andersrum. Als wir auf die Schotterpiste einbiegen setzten die Kommentare von Papa ein „Du fährst viel zu schnell“ „Oh man, wie holpert das hier“ „Achtung!“ „Was haben wir denn für einen Fahrer?!“ „UiUiUi“ „Oh mein Gott“ „Fahr mal langsam“ „Du rast“ Und ich weiß nicht was noch alles.

Das man auf Schotter- und Geröllpisten nicht so dahin gleitet wie auf einer deutschen Autobahn scheint ihm neu zu sein und selbst wenn Chrischi 50 fährt ebben die Kommentare nicht ab. Aber Chrischi lässt sich nicht weiter davon irritieren und fährt einfach weiter. Nach ein paar Stunden auf den Straßen hat auch Papa sich dran gewöhnt und die Kommentare lassen nach. Er fragt nur noch „Wann gibt’s Kaffee?!“

Irgendwann kommt ein Schild „Connys Cafe“ Ok, endlich ein möglicher Stopp. Aber als wir dann vor der Einfahrt stehen will Papa, der im 30 Minuten Takt eine Kaffeepause gefordert hat plötzlich doch nicht mehr anhalten. „Ach, wir müssen auch nicht anhalten“ Keine Ahnung wie er sich hier in der Wüste, stundenlang von der nächsten Zivilisation eine Kaffeebar vorgestellt hat aber scheinbar nicht so: eine total verwaistes Blechgebilde auf einem von Schotter, Staub und Wüste umgebene Grundstück hinter einem verrosteten alten Maschendraht Zaun erinnert das ganze eher an eine Geisterstadt“ Mama meint: „lass uns doch halten. Du wolltest doch einen Kaffee“ „Muss nicht sein“

So ähnlich sah das Café ausAber Chrischi und ich sind auch der Meinung, dass wir jetzt hier halten also biegt Chrischi in die eigenartige Einfahrt in der es ein Café geben soll ein. Nach ein paar hundert Metern auf einem kleinen Schotterweg endet unsere Reise vor einem verschlossenen Tor. Man hört Papa erleichtert seufzen „ist doch nicht so schlimm, dass die zu haben“

Chrischi und ich grinsen uns an. Wir drehen um und fahren weiter. Irgendwann übernehme ich mal das Steuer und Papas Kommentare über den Fahrstil setzen manchmal wieder ein. In den Straßenkarten gibt es rote, gelbe und graue Straßen. Rot = Teer (so gut wie nicht vorhanden)

Gelb = „große“ Schottenpisten die mehr oder weniger regelmässig zumindest mal ausgebessert werden. Und grau. Einfache Geröllpisten die den Namen Straße eigentlich nicht verdienen und so gut wie überhaupt nicht befahren werden. Pro Stunde begegnet einem ggf. mal ein Auto. Und auf unserer Route liegt ein ziemlich langer Abschnitt grauer Straßen.

Das Problem ist, dass man manche Hindernisse auf der Straße trotz langsamen Fahrens (60-80) einfach nicht oder zu spät sieht. Da taucht dann plötzlich eine Senke auf und man hat nur noch die Möglichkeit voll in die Bremsen zu steigen oder durchzufahren und mit Papas Kommentar zu leben. Wobei wir diese wohl auch bekommen hätten wenn man voll in die Eisen steigt.

Die meisten Senken können wir trotzdem gut umgehen aber einmal erwische ich eine mit 70 oder so und es war genug um wieder einen Kommentar zu hören „uiUiUi“

Bevor wir den Platten bemerktenNach ca. 4-5 Stunden sind wir kurz vor unserem Ziel und ich halte noch einmal da sich ein schönes Fotomotiv darstellt da gerade die click here Sonne untergeht.

Hier stehen wir, mitten im Nirgendwo. Die Berge von der untergehenden Sonne rot gezeichnet. In der Ferne türmen sich rote Dünen in den Himmel. Kilometer weit nichts außer Natur. Ganz in der Weite kann man eine Staubwolke erkennen welche ein Auto ankündigt. Stille. Ich gucke auf die Vorderreifen und meine „das sind aber schon ganz schön gute Reifen, letztes mal hatten wir kleinere Dinger drauf“ Da fällt mein Blick auf den einen Hinteren der etwas schwach aussieht „hier sollten wir gleich mal den Luftdruck prüfen“ Zustimmung von allen. Bei genauerer Betrachtung sieht das ding sogar fast platt aus. Dann checken wir auch die beiden anderen. Vorne beide gut aber hinten links: platt wie ne Flunder. Totalschaden.

Das gibts doch nicht. Das letzte mal fahre ich mit Simone hier fast 4.000 KM ohne einen Platten und jetzt bei der ersten Fahrt direkt zwei platt.

Das ist natürlich Wasser auf Papas Kommentarmühlen: Ich hab doch gesagt, das war zu schnell. Das ist bestimmt bei einer der Senken passiert. Zeter Zeter Zeter. Wird Zeit, dass er selber mal fährt.

Wir sind nur noch 12 KM von der Lodge weg und vom letzten mal weiß ich, dass es dort direkt in der Nähe auch eine Tankstelle gibt. Wir entscheiden uns mit den beiden Platten langsam dorthin zu fahren. Die Kilometer ziehen sich und wir beobachten die beiden Reifen im Rückspiegel.

Während wir fahren diskutieren wir noch ob wir anhalten und den komplett Platten wechseln aber vielleicht geht aus dem anderen in der Zeit auch die Luft total raus und dann hat alles nichts gebracht. Also schleichen wir zur Tankstelle.

Profis am WerkNach einer gefühlten Ewigkeit kommen wir an und der Tankwart weist uns direkt einen Platz vor dem Service Point zu. Aber wir kommen nicht sofort dran sondern müssen uns in der Schlange anstellen, denn wir sind nicht die Einzigen die es erwischt hat. Täglich wechseln und flicken die hier mindestens 20 Reifen.

Papa ist zwar zuerst immer noch davon überzeugt davon, dass es an unserer Fahrweise liegt aber als immer mehr Autos zum Reifenwechsel ankommen und sich rausstellt, dass sich bei uns eine Schraube und ein kleiner Spitzer Stein reingebohrt hat glaubt auch er langsam, dass es einfach Pech war.

Zum Glück aber auch, dass wir es kurz vor der Lodge gemerkt haben und jetzt nicht mitten in der Wüste ausharren müssen. Der Tankwart ist ein Profi und flickt unsere beiden Reifen in Null-Komma-Nix. Samt abziehen, Flicken, aufziehen etc. kostet das ganze nur 8€ pro Reifen. Mitten im Niergendwo. Ein Schnäppchen. Die Pause wird dazu genutzt erstmal ein kühles Bier zu genießen bevor es weiter zu Lodge geht die direkt um die Ecke ist.

Und dann kommen wir an. Im Traum von Afrika.

Oryx begrüßen unsDie Lodge ist wie eine kleines Beduinendorf gebaut. Die Sonne geht gerade unter. Im Eingangstor werden die ersten Fackeln entzündet. Über uns Baldachine aus Stoff. Die Mitarbeiter begrüßen uns mit einem kleinen Willkommenstrunk. Die Tische auf der Terasse sind bereits zum Abendessen gedeckt und stehen direkt gegenüber einem Wasserloch. Langsam werden Feuer angezündet und erste Kerzen angesteckt.

Wir erhalten unsere Lodges am Ende und haben somit den ungehinderten Blick in die Wildnis. Bei der Unterkunft angekommen stehen keine 10 Meter entfernt 5, 6 Oryx-Antilopen bereit um uns in unserem Häuschen zu begrüßen. Mama ist begeistert.

Wir sind da.

 

 

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SONY DSC Wo ist das Loch? Schlangen am Reifenstand Da geht nichts mehr Oryx begrüßen uns SONY DSC Wir sind daSONY DSC SONY DSC SONY DSC