Des Erichs falsche Kleider

Heute stehen die roten, riesigen Dünen der Namib bei Sossusvlei auf dem Programm. Als Papa hört, dass wir auf eine, die größte, Düne hochlaufen wollen kann man nicht gerade sagen, dass seine Vorfreude ins unermessliche steigt.

In Afrika wird es um diese Jahreszeit in unserer Gegend tagsüber über  30 Grad heiß – kühlt sich Nachts aber auf bis zu 5 Grad ab. Morgens ist es daher mit 6,7,8 Grad ziemlich frisch. Sobald die Sonne etwas höher geht heizt es sich aber schnell auf.

Dass in Afrika der Tag früh beginnt haben die drei vorher wohl so auch nicht gewusst, oder ich habe es bei der Planung nicht explizit genug erwähnt. Oder verschwiegen? Afrika ist nicht das Land für lange Saufgelage am Lagerfeuer um dann gegen 10, 11 Uhr zum Frühstück zu spazieren.

Hier dreht sich das Leben mit der Sonne, die gegen 6:30 Uhr aufgeht. und 12 Stunden später wieder untergeht. Dann wird i.d.R. gegen sieben gefrühstückt und genauso zu Abend gegessen. Spätestens um Zehn herrscht Bettruhe um Kräfte für den nächsten Tag zu sammeln. In diesem Rhythmus müssen die drei aber erstmal finden. Die Flasche Captain Morgan, die Christoph in Windhoek erstanden hat, hilft allerdings nicht wirklich dabei früh uns Bett zu kommen.

Daher verabreden wir uns für den ersten morgen auch etwas später zum Frühstück, so auf halb acht. Das bin ich von Simone gar nicht gewöhnt, denn da muss jeder Sonnenaufgang mitgenommen werden. Könnte ja sein, dass gerade heute der Schönste aller Zeiten stattfindet. Aber für die anderen ist halb Acht schon eine sehr frühe Zeit für ein Frühstück im Urlaub. Mama meint sie kann sich nicht erinnern im Urlaub mal so zeitig frühstücken gegangen zu sein.

Aber wir wollen ja auf die Dünen hoch und das möglichst bevor das Thermometer 30 Grad erreicht hat.

Obwohl es jetzt beim Frühstück mit 8 Grad eigentlich sehr frisch ist hat die Sonne schon so viel Kraft, dass man gut auf der Terrasse sitzen kann. Und man hat das Gefühl alle 5 Minuten ist es wieder ein Grad wärmer geworden. Nach dem Frühstück gehts noch einmal kurz zu unseren Häuschen um alles für den Tag zu packen. Chrischi und ich schnappen uns einen leichten Pullover und eine Jacke. Die Dünen sind ca. 1 Autostunde entfernt und wenn es uns dann zu warm werden sollte können wir die Sachen ja einfach im Auto lassen.

Mama und Papa verlassen ihr Häuschen auch erst mit Jacke aber nach ein paar Schritten in der Sonne dreht Mama nochmal um und meint „das wird so heiß, ich lass meine Jacke gleich hier“ Papa guckt etwas irritiert und lässt daraufhin auch seine Jacke in der Unterkunft und bricht nur im T-Shirt auf. Eigentlich hatte er unter dem T-Shirt noch ein Unterhemd aber Mama meinte das sei doch später viel zu warm und empfahl ihm das besser auszuziehen. Auch wenn er nach den Erfahrungen von der Kreuzfahrt (man denke an das Drama der kurzen Hose) eigentlich wissen müsste, dass man Mamas rat in Kleidung nicht immer blind trauen sollte zog er das Unterhemd noch aus und startete den Trip nur in T-Shirt. Obwohl es kein Problem gewesen wäre die Jacken einfach im Auto zu deponieren, da wir sie ja eh nicht schleppen müssen, nahmen die beiden nichts weiter mit. Und das mit 65 Jahren Lebenserfahrung.

Aber im Auto war es warm genug und als wir eine Stunde später gegen 10 Uhr ankamen waren es 18 Grad. In der Sonne ohne Wind gefühlt noch einige Grad wärmer. Die letzten 5 KM können wir mit unserem Auto nicht selbst fahren, da es durch tiefen Sand geht. Daher steigen wir in Offroad-Transporter um. Da Papa weiß, dass wir gleich Dünen erklimmen wollen und die Temperatur weiter steigen wird fragt er Richtung uns gewandt „Ich glaube ich ziehe noch meine kurze Hose an, es wird bestimmt gleich richtig heiß“ Mama „Das musst Du selber wissen“ Chrischi „Also ich zieh auch nur eine kurze an“ Ich lasse meine lange Hose an, da ich mir sonst noch die Beine mit Sonnencreme eincremen müsste und was Sand an frisch eingecremten Beinen macht könnt ihr euch vorstellen. Papa schlüpft in seine kurze Hose. Chirschi und ich sehen den offenen Transporter in den wir gleich steigen müssen und schlüpfen noch ein einen Pullover, da es oben auf der Ladefläche doch etwas frischer werden könnte.  Dann ging es in den Transporter.

Diese war ein offener Jeep und wir saßen oben drauf. Es geht los. Der Jeep fährt nicht viel schneller als 30 aber der Wind pfeift und die 18 Grad, die sich bei Windstille eben noch wie 25 Grad angefühlt haben fühlen sich plötzlich nur noch wie 8 Grad an.

Mit jeder Minute im Windzug trübt sich Papas Stimmung merklich ein. An Mama gewandt „Und Du hast noch gesagt ich brauch keine Jacke… und das Unterhemd sollte ich auch noch ausziehen“ Er versucht sich irgendwie das T-Shirt vor dem Hals als Schutz aufzubauen und kauert sich zusammen. Aber vergebens. Keine click here Chance bei dem Wind. Nur mit T-Shirt ist es einfach kalt in einem offenen Wagen. Chrischi und ich haben noch Pullover und stören uns also nicht weiter daran. Aber Papa will am liebsten aussteigen. Das geht hier aber nicht. Erinnerungen an die Türkei kommen rauf als wir die Stadtrundfahrt gemacht haben und Papa mit dem Argument nach oben gelockt haben, dass wir doch so ein schönes Plätzchen ganz am Ende des Busses für ihn gefunden haben. Wie sich herausstellte strudelte sich der Wind dort geradezu, so dass es vermutlich einer der zugigsten Plätze war. „Morgen sind wir bestimmt alle krank. Du hast gesagt es sei so heiß“ In unserem Auto saßen noch eine Gruppe Japaner „Guck mal, die haben alle Jacken an. Selbst der Japaner weiß dass man sich hier morgens warm anziehen muss. Und wegen Dir hab ich meine Jacke da gelassen und muss jetzt frieren *grummel*“

Chrischi und ich haben uns die Fahrt über köstlich amüsiert 🙂

Die Fahrt dauerte nur 10 Minuten und wir wurden am Fuße der Dünen ausgeladen. Viele Besucher waren eh nicht da, und die wenigen anderen gingen direkt zum so genannten Dead Vlei eine Art ausgetrockneter See im Tal zwischen den Dünen. Aber wir wollen das ganze nicht nur von unten sehen sondern von oben.

DSC04304Die Dünen türmen sich hier bis zu 300m hoch und wir wollen rauf. Also mit wir meine ich Chrischi, Mama und mich. Papa ist nicht so begeistert von der Idee. Aber er ist tapfer und ihm bleibt kaum eine andere Wahl also wandern wir los. Wir sind die einzigen, die sich ihren Weg die Dünen hoch bahnen.

Abgesehen von einigen Kommentaren hin und wieder wie „Hilfe, ich glaube ich muss sterben wenn ich einen falschen Schritt mache“ „Warum sind wir die einzigen die hier oben rumlaufen müssen?!“ „Selbst die Japaner laufen unten“  sind wir über Papa ziemlich überrascht. Nicht nur, dass er mit 65 Jahren hier in der Hitze noch die Dünen mit hochmarschiert nein, er überwindet auch noch seine Höhenangst. Ein bisschen zumindest, denn obwohl er eigentlich auf jedem kleinen Gipfel wieder absteigen möchte kommt er tatsächlich mit hoch bis zur zweit höchsten Düne. Oben genießen wir gemeinsam die atemberaubende Aussicht über das Dünenmeer und Dead Vlei.

Aber die Höhe reicht Papa auch und weiter zur höchsten Düne muss er jetzt nicht mehr wandern. Daher steigen die beiden von der Düne ab, Papa überwindet zwar seine Angst es sieht aber trotzdem ein bisschen aus als ob er auf rohen Eier balanciert während er die Düne an der Flanke hinuntergeht.

Chrischi und ich wollen noch die Düne „Big Daddy“ erklimmen, und der Weg zieht sich ganz schön.

DSC04294-2Als ich mit Simone hier war, waren zumindest noch eine Handvoll Touristen da, die sich ebenfalls auf den Weg gemacht haben. Diesmal sind wir die Einzigen. Nach insgesamt 1,5 Stunden sind wir oben. Nichts als riesige, rote Dünen… so weit das Auge reicht. Unter uns als weißer Kreis das Dead  Vlei  mit seinen bis zu 800 Jahren alte toten Bäumen. Mama und Papa warten irgendwo da unten. Nach einer kleinen Pause auf dem Gipfel springen wir die 300 Meter steile Düne an der Flanke runter und das ganze macht tierischen Spaß. 1,5 Stunden hoch und in 5 Minuten runter. Aber schön war es. Unten kippen wir erstmal 1 Kilo Sand pro Schuh, treffen auf Mama und Papa und machen uns auf den Rückweg zu dem Punkt wo einen der Transport wieder einsammelt.

Auf der Rückfahrt sind wir ganz allein im Jeep und da es mittlerweile richtig heiß geworden ist kann auch Papa die Fahrt genießen. Da kein anderer Gast an Board gibt der Fahrer ein bisschen mehr Gas und als er über die ersten Sandbuckel saust fängt Papa an Kommentar von sich zu geben was wir als Anlass nutzen die dem Fahrer damit zu übersetzen, dass Papa gern noch ein bisschen schneller fahren möchte. Der Fahrer lässt sich nicht lumpen und gibt richtig gas. Ein spaßiger Abschluss für alle. Zwischen drei und vier kommen wir wieder in der Lodge an.

Es bleibt noch Zeit für eine von Mama und Papa lang ersehnte Kaffee Pause. Denn jetzt steht das nächste Abenteuer an: der Rundflug.

 

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