Für Churros nach Havanna

Wir haben braune Aufkleber bekommen. Braun heißt Treffpunkt 10:00 Uhr im Theater. Theater bedeutet wiederum, dass sie viel Platz für den Treffpunkt brauchen da jede Menge Leute um 10:00 Uhr auschecken. Und dies hat, so befürchten wir nach unserer Erfahrung gestern, elendige Schlangen zur Folge. Also beschließen wir unsere festgelegte Zeit einfach zu ignorieren. Frühstücken in aller Ruhe, gehen mit Henri noch mal in den Kids-Club und verbrauchen unser restliches Internetguthaben mit 3 Minuten Facetime. Als wir dann gegen 12 von Board gehen sind wir die einzigen. Die Dame bei den Koffern wollte schon eine Vermisstenmeldung aufgeben da unsere beiden braunen Koffer dort so einsam und verlassen standen. Aber es hat alles geklappt und wir mussten so überhaupt nicht warten. Wir haben zu viel Zeug mit. Auch wenn das Hotel nur ein paar hundert Meter weg ist. Das ist zu viel Kram.

Ein großer Koffer (ca. 30KG oder mehr), ein Rucksack (ca. 18 KG), zwei Dicke Handgepäckstücke, Buggy, Kindersitz, 3-4 Tüten und Henri.

Ich hatte es gestern schon in der Kabine befürchtet was jetzt hier bei knapp 30 Grad im Schatten zur Gewissheit wird. Selbst die paar hundert Meter werden mit diesem Gepäck zur Tortour. Ein Taxi muss her.

Simone meint zwar für diese kleine Strecke nimmt uns wahrscheinlich keiner mit aber ich denke in so einem Land freuen sie sich über jeden Euro. Pustekuchen. Nach drei, vier Taxifahrern die alle nur sagen „Plaza Vieja? Das ist doch da vorne, da braucht ihr kein Taxi“ geben wir es auf. Großen Rucksack auf den Rücken, kleinen auf den Bauch, Handgepäck in den Buggy welcher unter der Last bedenklich knarzt. Koffer hinter. Jetzt müssen noch Henri und der Kindersitz mit. Ich weiß nicht genau wie aber es klappt und wir setzen uns langsam in Bewegung. Das uralte, ausgetretene Kopfsteinpflaster, und 30cm hohe Bordsteinkanten machen es nicht unbedingt leichter. Mit Tannis Mallorca erprobten, luftbereiftem und gefederten Kinderwagen wäre das ganze vermutlich ohne große Probleme gegangen.

Tannis Kinderwagen ist mehr so der Typ Landrover. Das hier ist der Sportwagen. Klein, flink und wendig. Ideal für europäische Innenstädte. Aber Havanna?! Das kannst du vergessen. Der wird in diesen3 Wochen mehr belastet als in 3 Jahren Deutschland.  Ich glaube am Ende der Reise können wir das Ding direkt hier lassen.

Voll bepackt mit 7 Sachen..

Voll bepackt mit 7 Sachen..

So sehr wir die Sonne lieben. Hier mit dem Gepäck ohne ein bisschen Schatten verfluche ich sie. Total fertig und durchgeschwitzt kommen wir in der Casa an. Jetzt alles noch ein Stockwerk hoch.

Wobei erwähnt werden sollte, dass es sich hier um alte spanische Architektur handelt. Spanier liebten hohe Räume. Was bei uns als zwei Stockwerke gilt ist hier auf einem. 6 Meter hohe Decken – oder mehr.

Obwohl es erst kurz nach 12 ist wird erstmal völlig fertig geduscht, danach geht es schon besser.

Ok, aus der Dusche kommen nur ein paar Tropfen da es in Kuba chronische Probleme mit dem Wasserdruck gibt. Aber besser als gar nichts.

So erfrischt machen wir uns auf den Weg und erkunden die Altstadt wieder auf eigene Faust. Und plötzlich – ich kann es kaum glauben nur zwei Straßen von unser Casa entfernt steht ein Kubaner mit Kochmütze hinter einem kleinen Wagen. Churros. Ganz Barcelona und Teneriffa habe ich abgesucht in der Hoffnung auf frische Churros. Aber nichts. Das einzige was ich gefunden habe war Fertigware

die zum Erwärmen kurz in den Ofen, Toaster oder Mikrowelle geschoben wurde und dann für 1 Euro das Stück verkauft wurde. Das ich hier auf Havanna direkt auf der Straße frische Churros bekomme, damit hätte ich nicht gerechnet. Und scheinbar müssen sie gut sein denn es steht eine riesige Schlange an dem kleinen Stand. Alle warten geduldig bis sie an der Reihe sind.

Bei uns würden die meisten Verkäufer vermutlich in eine hektische Panik verfallen aufgrund der wartende Masse. Aber der Kubaner? Er arbeitet alles in einer click here perfektionierten Routine mit absoluter Ruhe und gelassenheit ab: Laaagen Churro aus dem Fett holen, aufs Blech legen. Presse nach oben kurbeln und mit Teig füllen. Teig langsam ins heiße Fett drücken und mit einem Metallstab eine Teigspirale formen die nun im Fett gebacken wird. Den fertigen Churro in Stücke schneiden. Etwa die Hälfte in Tüten füllen und verkaufen. Verkauf stoppen. Den aktuellen Churro im Fett einmal wenden.

Dann den Rest zerschnittenen Churro verkaufen. Zum Abschluss denn neuen Churro aus dem Fett holen und von vorne. Wenn man es nicht gesehen hat man kann es kaum glauben mit hhwas für einer Präzesion und Liebe er jeden dieser Schritte ausgeführt hat. Scheinbar haben die Leute in der Schlange das gespürt denn keiner hat gemeckert oder so.

Nein, sie fanden es sogar toll mit was für einer Hingabe er die Churros macht und haben so 10-15 minuten gewartet bis sie endlich dran waren. Mir ging es genauso.

 

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Die vier Tage die wir in Havanna waren habe mich mir jeden Tag eine Portion geholt und es was immer eine Schlange davor. Von morgens 10 bis abends 7 Uhr. Und das ganze für 50 cent die Portion.

Havanna gefällt uns super. Eine ganz besondere Atmosphäre. Die Altstadt mit ihren unzählbaren jahunderte alten Gebäude. Teilweise restauriert. Teilweise eingefallen.

Die Atmosphäre hier kann ich gar nicht in Worte fassen. Ein Gebäude ist super restauriert mit einem idyllischen Hinterhof in dem sich jetzt ein Hotel befindet, im nächsten ist eine Bar in der hheine Liveband spielt und eine Queerstraße weiter sind die Gebäude halb am Verfallen, teilweise einsturzgefährdert und werden trotzdem noch genutzt. Da gibt es Marktstände in den Resten eins Hauses ohne Dach.

Friseure mit Stühlen aus den 30er Jahren wogen die Friseure in Thailand die reinsten Wellness-Spas waren. Im nächsten ist eine Tischlerei, dann wird Pizza aus einem Fenster verkauft oder eine kleine Werkstatt. Wenn man nicht hier war kann man sich das kaum vorstellen. Viele von unserem Schiff waren geschockt. Sie meinten die Altstadt sei schön aber sobald man eine Straße falsch abbiegt – gruselig.

Ich fühle mich hier sehr wohl. Und wenn die Sonne untergangen ist bekommet alles noch mal einen ganz anderen Touch. Die Nebenstraßen sind nicht beleuchtet. Hind und wieder glimmt mal eine Art Laterne aber es ist stockdunkel. Das einzige Licht fällt aus den offenen Fenstern und Türen der Wohnungen. Und beim vorbei gehen Blick man dort in Wohnungen – unvorstellbar. Ein Neben zieht durch die Gassen. Oldtimer

tuckern vorbei. Hier und da Live Musik. Die Schatten von Menschen ziehen im Dunklen an deinem vorbei. Dazu das alte Kopfsteinpflaster, die alten Gebäude. Ein kurzer Nachtspaziergang durch Havanna bietet

unendlich viele Eindrücke in so kurzer Zeit. Kaum zu glauben dass diese Gegensätze (Europa / der Westen) und das hier auf dem selben Planten sind. Eine andere Zeit. Es ist sicherlich nichts für jeden.

Aber wer mal etwas total anderes sehen möchte ist genau hier richtig. Ich liebe es.

Henri ist abends sogar mal in der Karre eingeschlafen so dass Simone und ich uns ein bisschen draußen in das Lokal setzen können was direkt unter unser Casa ist. Eine Hausbrauerei mit riesigen Kesseln.

Geführt von Österreichern. Das Bier ist sogar richtig gut. Vielleicht wäre Havanna ein Standort für Denner?!

Es wir Live Musik gespielt und wir genießen die Atmosphäre. Henri lässt uns sogar in Ruhe essen aber irgendwann wacht er auf und wir gehen hoch aufs Zimmer.

Und jetzt bemerken wir welchen Nachteil ein Zimmer direkt über einer Kneipe am beliebtesten Platz in Havanna hat: es hört sich so an als spielt die Band in unserem Zimmer.

Henri kann schlafen. Wir nicht. Irgendwann gegen 12 hört die Band auf und es kehrt Ruhe ein. Das kann ja was werden die nächsten 3 Nächte.

Der einzige Troste: morgen gibt es wieder Churros.