Wo die Wölfe tanzen

Als ich wusste, dass es nach Namibia geht habe ich einen Ausflug sofort gebucht. Den nach Wolwedans im Namib Rand. Hier war ich damals auch mit Simone und unserer Meinung nach gehört dieser zu einem der schönsten Orte der Welt. Wolwedans  – wo die Wölfe tanzen.

Das Namib Rand ist mittlerweile ein privates Naturschutzgebiet welches von einem Deutschen in den 60er, 70er Jahren gegründet wurde. Der Herr Brückner hatte dort eine Farm und fand die Landschaft einfach so besonders, dass er nach und nach alle Farmen in der Umgebung aufkaufte, alle Zäune nieder riss und sämtliche Gegenstände entfernen lies die von Menschen geschaffen wurden. Das Gebiet ist mittlerweile riesig. Ca. 250-300 KM lang und über 100 KM breit. Auch hier gibt es keine Straßen, nichtmal Staubpisten sondern einzig ein paar einsame Pfade ziehen sich durch das riesige Gebiet. Und die Landschaft ist hier extrem abwechslungsreich und reicht von Dünen, über Steppe, Gebirgen, ausgetrockneten Flussbetten und alle Farbnuancen die man sich vorstellen kann. Jeder Blick ist wie ein Gemälde der Natur.

Und man sieht nichts außer purer Natur. Keine einzige Veränderung von Menschenhand. Unzählige Onyx-Antilopen wandern umher. Hier und da trifft man auf ganze Herden von Zebras. Selbstfahren ist hier verboten. Auch Tagesgäste sind eigentlich nicht erwünscht. Auf dem Gebiet gibt es vier extrem exklusive und genauso teure Eco Lodges (ab ca. 1.000€/Nacht) die insgesamt maximal 26 Gäste aufnehmen können. Die vier Lodges liegen kilometerweit auseinander und sind in die Natur integriert, so dass man lange suchen muss um sie mit dem Auge zu entdecken.

Durch eine glückliche Fügung bei unserem letzten Besuch konnten wir im Namib Rand beim letzten Mal doch einen Tagesausflug buchen. Das Gebiet ist einfach unbeschreiblich schön. Und es ist dort so still, dass selbst das Schreiben eines Kugelschreibers als fast unerträglich laut wahrgenommen wird. Mir fällt selbst bei etwas nachdenken kein schönerer Ort an, an dem wir bisher waren.

Und als ich mit Simone hier war hat mich der Guide bei der Mittagspause (er hat eine Tafel im Nirgendwo auf einer Anhöhe aufgebaut mit einem grandiosen Blick über Savanne und Berge, blauer Himmel und Tiere im Hintergrund) ob wir auf Hochzeitsreise sind. Als ich verneinte fragte er mich worauf ich denn noch warten würde.

Es gibt hier so genannte Feenkreise. Das ganze Land ist von Buschgras bedeckt aber in den Flächen gibt es einige Kreisrunde stellen an denen einfach kein Gras wächst. Keiner konnte bisher erklären warum mitten in den „Wiesen“ diese Kreise entstehen. Es wurde schon seit Jahrzehnten geforscht und bisher keine Ursache gefunden. Daher heißen sie noch immer Feenkreise. Der Guide erzählte uns, dass man hier einen Kreis „kaufen“ kann und der Betrag als Spende an das nächste Dorf geht um dort die Schulen zu finanzieren. Damals war der 28. August und somit auch noch Saris Geburtstag.

Als wir dann wieder auf den Wagen stiegen und durch diese unbeschreibliche Landschaft fuhren dachte ich noch lange über die Frage von dem Guide nach und mir fiel einfach keine Antwort ein. Als wir gerade eine hohe Düne hinaufkamen, sich vor uns die weite Steppe ausbreitete, in der Nähe Oryxs grasten, sich in der Ferne dunkle Berge gen Himmel strecken und die Sonne langsam am Untergehen war fand ich die Antwort auf die Frage des Guides. Es gibt keinen Grund, der dagegen spricht. Bislang haben wir alle größeren Entscheidungen ganz spontan entschieden, sei es das Haus, Sari oder…. Und heute passt perfekt. Diese Kulisse, Saris Geburtstag und auch noch Ringförmige Stellen im Boden die scheinbar magisch entstanden sind. Ich ließ den Guide anhalten und bat Simone sich einen Kreis/Ring auszusuchen. Dort habe ich ihr dann den Antrag gemacht. Auf den Tag genau standen wir dann zwei Jahre später in Schwöbber. Aber Simone wäre nicht Simone wenn sie nicht direkt nach meinem Antrag, als wir wieder auf unseren Jeep kletterten als erstes gefragt hätte: und wo ist mein Ring?

Da kauft man ein ringförmges Stück Land mitten in Afrika, hält in dieser Umgebung eine spontane  Ansprache für den Antrag, und das erste was danach passiert ist die Frage wo der Ring bleibt. Ich war sprachlos.

Also, wie dem auch sei. Als ich wusste, dass es nach Namibia geht wollte ich hier unbedingt wieder hin. Auch um unseren Kreis noch einmal zu besuchen denn er wurde per GPS lokalisiert und markiert. Also schrieb ich Wolwedans an ob es möglich sei in der Zeit, in der wir mit Mama und Papa da sind wieder eine Tagestour zu buchen. Es brauchte unzählige Emails die hin und her gingen bis ich endlich eine Zusage erhielt, dass es möglich ist.

Irgendwie hab ich bei dem ganzen Mailverkehr ganz vergessen zu fragen wann wir da sein sollen. Ich meinte eigentlich, dass Simone und ich gegen 10 Uhr dort ankamen. Die Fahrt hatte ich mir 1 bis max 1,5 Stunden in Erinnerung. Zur Sicherheit schrieb ich gestern abend noch mal eine Mail. Den Anderen hatte ich bereits gesagt, dass sie morgen eigentlich mal ein bisschen länger schlafen können und es reicht wenn wir hier so gegen halb neun aufbrechen. Doch dann kam die Antwort. Wir sollten bis 8:30Uhr da sein, sonst würde es im Laufe des Tages zu heiß werden.

08:30 Uhr?? Mist! Da können die drei das Ausschlafen aber komplett vergessen. Denn die Fahrt dauert sogar eher 1,45 Stunden. Also ist Frühstück eher gegen 6 Uhr angesagt.

Da die drei nichtmal wissen was ihnen morgen bevor steht (ok, eigentlich wissen Mama und Papa fast den ganzen Urlaub nicht, was so der Plan ist) nehmen sie die Änderung relativ neutral auf. Vorfreude sieht anders aus. Aber viel Überredung kostet es dann auch nicht und die Wecker werden entsprechend gestellt Bei Mama vermutlich auf halb fünf 😉

Wir hatten gestern ein paar Probleme mit dem Toaster, deshalb kam Mama heute morgen ganz stolz zu uns: „Ha, ich habe hinbekommen. Unten am Toaster war ein kleines Rädchen, das habe ich ganz nach rechts gedreht und jetzt gehts. Fragt doch einfach eure Mutter“ Keine zehn Minuten später zogen plötzlich schwarze Rauchschwaden durch den Frühstücksraum, das Personal eilte herbei und musste erstmal alle Fenster aufreissen um dem Qualm Herr zu werden. Chrischi und standen gerade draußen, sahen den Qualm aus den Fenstern emporsteigen und machten Scherze „das war bestimmt von Mamas Toaster“ und tatsächlich als wir rein gingen kam uns ein Mitarbeiter mit einem verkohlten Etwas entgegen das er gerade aus dem Toaster gefischt hat. Ja, den Toaster hat sie anbekommen 🙂

Dem frühen Aufstehen und widrigen Straßen zum Trotz und obwohl die letzten 20 Kilometer zu Lodge nur noch ein privater Weg durchs Nirgendwo waren kommen wir fast pünktlich an. Chrischi will am liebsten vorher noch mal kurz anhalten, da er nicht gleich nach Ankunft in einer „Luxus-Lodge“ als erstes nach einem Aschenbecher fragen will. Aber ich versichere ihm, dass trotz des Preises dort alles ganz locker zugeht.

Als wir ankommen steht nicht nur der Kaffee für Mama und Papa bereit sondern direkt daneben auch noch ein Aschenbecher. Die Mitarbeiter sind, wie alle die wir bisher getroffen haben, super nett und der Guide, auch wenn nicht der gleiche vom letzten Mal, sehr sympathisch.

Es kann los gehen

Es kann los gehen

Unsere Tour beginnt und die Farm ist so privat, dass wir während des ganzes Tages (die Tour dauert ca. 8 Stunden) nur ein anderes Auto mit Gästen sehen werden. Mamas  meistgesagten Wörter in den letzten Tag sind wunderschön, traumhaft, herrlich, traumhaft schön, und alle denkbaren Abwandlungen von schön, traumhaft, herrlich, idyllisch. Heute steigert sich das ganze nochmal und während der Fahrt verging kaum eine viertel Stunde in der sie nicht eines dieser Wörter sagte. Ihr schien es also zu gefallen. Aber nicht nur ihr auch auf Chrischi und Papa wirkte diese Umgebung genauso faszinierend wie auf mich und Simone damals. Wir haben schon einiges gesehen und ich glaube nicht, dass ich übertreibe wenn ich sage, dass es einer der schönsten Plätze unserer Erde ist. Es gibt auch in anderen Ländern schön Landschaften. Aber immer sind Zeichen der Zivilisation sichtbar, sei es ein Straße, Zäune, Straßenschilder, Stromleitungen, Mülleimer, Parkplätze, Gebäude, Windräder oder was auch immer. Diese zu 99,9% unberührte Natur macht es so einmalig. Den außer den zwei Reifen spuren, die sich durch die Landschaft schlängeln sieht man nichts von Menschen geschaffenes. Und sollten sich dort doch mal zwei Autos begegnen muss eins der beiden bis zur nächsten Abzweigung Rückwärts zurückfahren und darf nicht einfach eine neue Spur in die Landschaft fahren. Das kann manchmal Kilometerlanges Rückwärtsfahren bedeuten. Hört sich vielleicht kleinlich an aber Autospuren können Jahrzehnte überdauern und genau diese Unberührtheit ist das besondere hier.

Hin und wieder stoppt der Guide um uns etwas über das Gebiet, die Berge, Tiere oder Bäume zu erzählen. Irgendwann sollen wir aussteigen und ihm ein paar Schritte folgen. Er sucht etwas, was er uns zeigen möchte.

Blöderweise hat er vorhin mal was von Schlangen erzählt und das ist bei Papa angekommen. Vorher dachte er, es gibt hier keine Schlagen – zu trocken – aber jetzt ist es vorbei.

Nicht zu weit vom Auto weg

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Die Wahrscheinlichkeit hier einer Schlange über den Weg zu laufen ist vermutlich vergleichbar mit der eines Sechsers im Lotto aber trotzdem – Papa hat Angst. Es ist keine riesige Wanderung sondern wir entfernen uns vielleicht ein, zweihundert Meter vom Auto aber das reicht schon. Papa erwartet hinter jedem Busch eine giftige Schlange, tödliche Skorpione oder sonst ein kleines Tier was ihn fressen will. Mama stapft sorglos uns und dem Guide hinterher. Papa geht eher wie Barfuss durch einen Scherbenhaufen – jeder Tritt will genau abgewogen werden.

Gestern läuft er Kilometerweit durch die Dünen und die Wüste – völlig sorglos. Aber heute hat er was von Schlangen gehört und schon steht das P in seinen Augen 🙂

Gefunden

Gefunden

Irgendwann findet der Guide das war er sucht die „White Lady Dancing Spider“ Eine Spinne, die sich einen Kuhgong unter der Erde baut. Hin und wieder kommt ein Männchen vorbei und tanzt umher. Wenn der Dame der tanz gefällt kommt sie aus ihrem Loch geklettert und ist bereit sich zu paaren. Sollte das Männchen nach der Paarung aber auf eine gemütliche Nacht in der Höhle hoffen ist das falsch gestrickt. Es sollte so schnell wie möglich Land gewinnen, denn wenn die Dame nach der Paarung wieder zu sich kommt hat sie meistens Hunger und das kleinere Männchen wäre ein guter Appetithappen. Als der Guide anfängt die Spinne auszugraben meint Papa „ach, der kann doch die arme Spinne da in Ruhe lassen“ „Wir müssen die doch nicht sehen“ Aber die Spinne baut sich eh täglich ein neues Loch also ist es nicht wirklich schlimm. Irgendwann kommt sie zum Tageslicht. Ein kleines, großes, weißes Monster. Der Guide meint die sind nicht giftig und eigentlich beißen sie auch nicht. Er ragt ob irgendwer von uns sie gern in die Hand nehmen möchte. Wir lehnen alle dankend ab. Etwas angsäuert, dass der Guide sie gerade aus ihrem Loch gebuddelt hat scheint sie dann aber doch zu sein denn sie springt auf seinen Stock den er sogleich schreckhaft fallen lässt. Wenn nicht giftig scheint ihr Biss trotzdem schmerzhaft zu sein, wenn selbst der Guide schreckhaft wie ein kleines Mädchen reagiert 🙂

Zebras in der Steppe

Zebras in der Steppe

Irgendwann kommen wir an einem Wasserloch vorbei an dem gerade eine riesige Herde Zebras ihren Durst stillt. Und wir mitten drin. Mama ist begeistert. Die Zählung ihrer meistgenutzten Wörter steigt rapide. Nur ein Problem: der Akku der Kamera gibt den Geist auf. Papa „ich hab Dir doch vorhin schon gesagt, heb dir ein bisschen was auf und knips nicht jedes Oryx. Jetzt verpassen wir die Zebras“ Auch wenn er es sonst nicht so zeigt, möchte er also auch gern schöne Fotos haben. Aber da bin ich vorbereitet. Mir ist das gleiche mit Simone schon in ein paar Urlaube passiert… sie wollte irgendwas fotografieren – Akku leer. Aber bei Simone ist es noch schlimmer. Schon wenn der Akku nicht mehr 100% zeigt sinkt ihre Stimmung kontinuierlich mit der Akkuleistung. „Ah schon ein Strich weg!!!“ Daher habe ich jetzt immer Ersatzakkus dabei. 10 Sekunden später konnte Mama Zebras knipsen.

Als der Guide uns danach eine der vier Unterkünfte zeigt steigt die Quote Mamas meistgenutzter Wörter jetzt fast ins unermessliche und auch als der Guide danach unsere Mittagstisch aufbaut ist Mama ganz aus dem Häuschen. „Oh Gott, guck mal wie schön. Sogar mit Tischdecke. Ich glaube es ja nicht. Traumhaft. Einfach traumhaft schön.“ Es ist sogar die gleiche Stelle an der Simone und ich damals saßen als mich unserer Guide seinerzeit ins Kreuzverhör nahm. Zusammengefasst: Mama gefällt es sehr gut.

Kurz vor Ende der Tour kommen wir an die Stelle, an der sich unser Kreis befindet. Da die ganze Aktion damals so spontan war hatte der Guide keinen GPS-Tracker dabei um den Kreis markieren zu können. Er meinte aber er komme wieder zurück und wird genau den Kreis wiederfinden. Ich hatte zwar meine Zweifel aber ein paar Wochen nachdem wir zurück in Deutschland waren kam ein Zertifikat über den „Landkauf“ samt genauer GPS-Koordinaten.

Leider blieb die Suche Erfolglos

Leider blieb die Suche Erfolglos

Leider scheint er sich jedoch vertan zu haben, denn die Koordinaten waren zwar in der Nähe, aber nicht genau auf unserem Kreis. Aber auch ich konnte nicht mehr sagen welchen Kreis Simone sich jetzt genau ausgesucht hat. Nach 20 Minuten suchen gaben wir auf (Papa hat übrigens aus dem parkenden Auto mitgesucht). Habe ich wenigstens einen Grund noch einmal mit Simone herzukommen, dass wir einen neuen Kreis aussuchen. Die Aussicht ist immer noch gleich – unbeschreiblich.

Papa dürstete es nach Kaffee aber der Guide meinte wir sind in 10 Minuten an der Lodge und die Tour ist beendet, wenn er es noch so lange aushält gibt es dann dort Kaffee. Zu Hause wären 10 Minuten für ihn vielleicht lang um auf einen Kaffee zu warten aber für namibische Verhältnisse ist das ja kaum zu glauben.

Wir kommen in der Lodge an und genießen unsere Kaffee in der Atmosphäre bevor wir wieder zu unserem Camp aufbrechen.

Ich denke allen dreien hat es genauso gut gefallen wie mir. Selbst Chrischi hat gesagt, dass er im Vorfeld ein bisschen skeptisch war wegen Afrika, da er normalerweise mehr der Party Urlaube ist. Aber diese Natur hier haut selbst ihn um und auch er ist begeistert.

Pünktlich zum Dinner kommen wir in unserer mit Fackeln, Kerzen und Feuern beleuchteten Lodge an. Grill-Geruch liegt in der Luft. Unser vorerst letzter Abend in der Abgeschiedenheit denn morgen geht es in das Städtchen Swakopmund.

Da es mir nicht so gut geht gehe ich zeitiger Schlafen. Chrischi und Papa nutzen aber den letzten Abend noch mal um bei einem Fläschchen Captain Morgan den sagenhaften Sternenhimmel zu bestaunen bei dem man selbst die Milchstraße mit bloßem Auge erkennen kann. Eine einmalige Erfahrung denn keiner der drei hat diesen schon mal einfach so im Himmel gesehen. Bei uns sieht man nur ein paar Sternchen. Hier Glitzer der ganze Himmel und in der Mitte zieht sich die Milchstraße entlang.

Ein schöner Abschluss für unseren ersten Stopp.

 

Es kann los gehen

Es kann los gehen

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Gefunden

Gefunden

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Nicht zu weit vom Auto weg

Nicht zu weit vom Auto weg

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Zebras in der Steppe

Zebras in der Steppe

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Leider blieb die Suche Erfolglos

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